Archiv

Archive for Oktober 2016

Ich nomadisiere

2016/10/19 4 Kommentare

… und dieses Mal mit einem grossen Schritt.

Die Uzbekistan- Tour war gerade vorüber. Ich bin wieder daheim. Und packe schon wieder. Nichts Besonderes soweit.

Ich sortiere. Was muss ich gleich einladen, in´s Auto, (???!!!???) was bleibt noch, was kommt in den Container. Ja, wie, was?

Am Samstag kamen wir an aus Uzbekistan. Am Sonntag nachmittag fahre ich wieder los. Zwei Schrankkoffer, eine Kiste, eine Tasche, ein Rucksack, ein Liter Alkohol, das ist mein Gepäck. Der Alkohol muss mit, nicht zum Trinken. Ich fahre nordwestlich, M-9, und komme an dem Tag bis Velikie Luki. Die Strecke ist gut. Nur 40 km vor Velikie Luki beginnen die Strassenbauarbeiten. Rechts ein tiefer Graben, beinahe ungesichert. Und Fernverkehr dicht an dicht, sodass nur wenig Raum bleibt.
Am Montagmorgen, so gegen 5, fahre ich weiter. Schliesslich will ich früh an der Grenze sein, der mit Lettland. Bin früh da. Grenze sehr leer.
Alles gut, Schichtwechsel, aber dann schnell, bis zur lettischen Prüfung.

(Kurzfassung)
Er: Prüfbericht für das Auto nicht dabei?
Ich: Nein, Haftpflicht gibt´s doch nur mit frischem Prüfbericht. HP habe ich hier. Bericht liegt im Büro, im Safe.
Er: Tja, dumm gelaufen. Wird heute nichts. Ich frage mal den Chef.
Er: Tja, da vorne ist die Wendestelle. Hier gibt´s dann wieder die Papiere und das Protokoll. Ohne Bericht geht´s nicht weiter.
Ich: Wo steht das denn? Ist das eine neue Regel?
Er: Ja, wurde nur noch nicht veröffentlicht.

Als ich wieder bei den Russen ankomme, grosse Fragen.

Der Eine sagt, ach, die Schicht ist heute dran.
Der Andere sagt, siehste, so empfangen dich deine europäischen Brüder. Willkommen daheim.
Der Dritte sagt, die nächste Prüfstelle ist ca. 1 km entfernt, XXX, YYY.

Ich fahre zur Prüfstelle, die rund um die Uhr geöffnet ist. Meinen neuen Prüfbericht bekomme ich auch, gültig für ein Jahr, für runde 30 EUR.

Gute zwei Stunden später als geplant bin ich durch. Die klapprigen Uralt- Passat und Audi 100 fahren nach Russland zum Tanken. Einen deutschen TÜV würden sie schon lange nicht mehr kriegen. Brauchen sie auch nicht.

Nach rund 4 1/2 Stunden Fahrt bin ich in Riga.

Meine neue Heimat.

Mit 2 Wochen und 5 1/2 Stunden Verspätung beginne ich meine neue Arbeit. Das Geschäft ist eigentlich nichts Neues. Neu ist die Region, die drei baltischen Länder, Lettland, Litauen, Estland. Neu sind auch Kollegen in drei Ländern.

Alles ist neu.

11 Jahre habe ich in Moskau gelebt. Ich habe zwei Mal den Arbeitgeber gewechselt, habe mehr oder weniger drei Firmen und eine Repräsentanz aufgebaut, in Russland und in Zentralasien, habe die Weltfinanzkrise erlebt, war „kurz danach“ in Tbilissi und auf dem Maidan, durfte die gesamte Region bereisen und habe trotzdem viel zu wenig gesehen, habe viele Geschäftspartner schätzen gelernt und einige wenige Freunde gefunden und bin dankbar und froh, dass die Frau an meiner Seite dieses Leben mit mir teilt.
Das baltische Angebot kam zum rechten Termin. 11 Jahre waren schon mindestens 7 über meinem Plan. Aber, um fair zu sein, was sollte eigentlich ab 2010 kommen?
Ich hatte mich eingerichtet, bis zum biblischen Alter in Russland zu sein. Nicht, weil es nichts Besseres gab. Nein, ich habe mich wohl gefühlt. Und ich habe gelitten und leide noch heute, wenn ich die Entwicklung der russisch- europäischen- deutschen Beziehungen seit dem 4. Quartal 2013 bedenke.
Ich gehörte einer geschätzten Nation an, deren Produkte unglaublich teuer, aber einfach die besten waren. Wir waren geachtet, sehr hoch geschätzt. Unsere Tochter konnte 2006 keinen Platz in der deutschen Schule Moskau erhalten. Duma- Abgeordneten- Autos standen vor dem Tor, eine Quote soll es gegeben haben, da des Präsidenten Töchter dort lernten. Alles vorbei. Die Schule wurde teuer, Wartelisten gibt es weder in der Schule noch für die WBS70- Wohnungen im deutschen Dorf.

Und so gehe ich mit dem sprichwörtlich weinenden und lachenden Auge aus Moskau und Russland weg. Als ich fuhr, liess ich Lyube im CD- Spieler laufen. Die Fahrt war lang, also folgten Sergey Trofimov und Alexander Rosenbaum. Ich bin nicht mehr der Jüngste …

Ich hoffe, meine Freunde J. und J. bewahren den Koffer. Ich brauche keinen in Berlin. Mein Traum bleibt. Ein Häuschen an hohem Ufer, Birken, ein Fluss zu sehen und meine Liebste und ich sitzen da bei Musik und schauen den Enkeln zu.

Lab dien!

Advertisements
Kategorien:Auto, Lettland, Reise, Russland Schlagwörter:

Tashkent und Schluss

… ich habe noch nicht einmal neue Fotos von Tashkent. Der Mehrheit der Freunde ging es schon in den Tagen zuvor wie mir bei der Anreise in Tashkent. Montezumas Rache oder einfach nur Baumwollöl auf ungewohnten Verdauungstrakt ist nun mal nicht gut. Ich verbrachte einen halben Tag im Hotelbett, um am Abend wieder mit voller Kraft und Appetit dabei zu sein.

 

Fazit:

Liebe Leser, reist nach Uzbekistan! Die Uzbeken sind unglaublich gastfreundlich, hilfsbereit, höflich, nachsichtig. Fotofreunde können Bilder machen, kostenlos, als ob sie alle für den National Geo arbeiten würden. Trotz der 40 Tage nach dem Ableben des Präsidenten gab es keine Behinderungen durch Staatsakte oder Massengedenken. Es ist einfach gut.

Nochmal:

Reist nach Uzbekistan! Wer weiß, wie lange es dort noch so sein wird.

Kategorien:Uncategorized

Samarkand (10.-13.10.2016)

2016/10/13 2 Kommentare

… wir nehmen den Zug, Shark, russisch für Haifisch. Erste- Klasse- Ticket kostet rund 30 EUR. Preise sind Schäume, ich hatte die Vorstellung von Shinkansen und ICE, zumal alle sagten, dass es in Uzbekistan nur zwei Superzüge gäbe. Nun gut, der Shark ist es nicht. Klima war nicht, Komfort auch in der Ersten nicht vorhanden, aber er fuhr.

Samarkand.

Die Perle der Seidenstrasse.imgp9465-kopie… der Registan. Vergleiche einfach die Grösse der Menschen mit den Gebäuden.

imgp9562-kopie… bei uns um die Ecke

imgp9490-kopie… vor- der- Hochzeit- Fotos. Muss ein ziemliches Geschäft sein in Uzbekistan

imgp9507-kopie

imgp9524-kopie

imgp9537-kopie

… Berufsgenossenschaft? Arbeitsschutz? Stell dir vor, Schleifgerät oder Mensch fallen nach unten. Nichts abgesperrt …imgp9539-kopie

imgp9550-kopie

imgp9565-kopie

… Geschäft für die Waren des täglichen Bedarfsimgp9569-kopie

… Gasse im Altstadtviertel, auf dem Weg zur Synagogeimgp9578-kopie

… Shakhir- Senda (oder wie auch immer das geschrieben wird …). Die Totenstadt von Samarkand. Und ich hob meinen Kopf, noch im Türrahmen, und bezahlte die goldene Kuppel mit einer weiteren Schramme.

imgp9599-kopie

imgp9604-kopie

imgp9609-kopie

imgp9610-kopie

imgp9616-kopie

imgp9618-kopie

imgp9630-kopie

imgp9636-kopie

imgp9641-kopie

imgp9646-kopie

imgp9652-kopie

… auf dem Basarimgp9661-kopie

imgp9664-kopie

imgp9670-kopie

imgp9680-kopie

… sie liessen sich gerne fotografieren. Auch sie sind Muslime.Wir vergessen das allzu schnell, wenn Islam nur noch mit Terror, Bomben, Leid und Verblendung verbunden wird.

imgp9871-kopie… es ist wieder Zeit

imgp9712-kopie

imgp9716-kopie

imgp9717-kopie

imgp9737-kopie

.. das Viertel, wo unser B&B daheim ist

 

imgp9759-kopie

imgp9787-kopie

imgp9812-kopie

imgp9813-kopie

imgp9827-kopie

imgp9835-kopie

imgp9847-kopie

imgp9852-kopie

imgp9865-kopie

 

imgp9875-kopie

imgp9887-kopie

imgp9892-kopie

… beim Bäcker. 500 Fladenbrote hat er heute gebacken, zu dritt, zum Preis von 1000 Som auf dem Markt verkauft, rd. 0,15 EUR. Tagesumsatz also 79 EUR, zu dritt, bei mehr als 12 Stunden Arbeit. In die Gesichter schauen und Nachdenken. Als ich 500 Som, 7 Cent, Trinkgeld für das Brot geben will, protestiert der Chef (der die Fladen in den Backofen klebt). Für Brot gibt man kein Trinkgeld. Ich habe ihm gesagt, dass es nicht für´s Brot ist, sondern für die Störung bei der Arbeit. Dann konnte er es akzeptieren. Sieben Cent.

Kategorien:Uzbekistan Schlagwörter:

Bukhara (08.-10.10.2016)

Es gibt keine Bahnverbindung zwischen Khiva und Bukhara. Zu vierzehnt ist Taxifahren auch nicht empfohlen. Die Angebote der Busunternehmen schwankten zwischen 240 und 1000 USD. Wir nahmen den preiswertesten. Ein grosser 22- Sitzer- Toyota war da, der Fahrer bestens, Klima arbeitete, Vorhänge gegen die Seitensonne in der Wüste gab es auch, alles gut also.

Wie schon mehrfach zuvor, schlafen wir im Lyabi- House- B&B. Lyabi- Khauz ist der zentrale Platz von Bukhara mit dem grossen Bassin in der Mitte, drumherum Shashlyk- und Tee- Bedienungen gruppiert, auf Topchan (dem zentralasiatischen Liegesofa für mehrere) und an Tischen geboten. Das Lyabi House B&B entwickelte sich über die Jahre zu einem florierenden Unternehmen. War es vor rund 12 Jahren noch ein kleines Haus mit ein paar Zimmern, so ist es heute ein dreistöckiges B&B. Wie wir später hören, war es das Haus einer jüdischen Familie, die es vor der Übersiedlung nach USA verkauften.

— wie sich der Kreis des Lebens manchmal schliesst: Tochter B wohnte während ihrer 3 Jahre in New York in Queens und da, genauer, im Viertel der Bukhara- Juden. Ihr Vermieter war ein ebensolcher. Und in den Geschäften wurde russisch gesprochen, das grösste Gebäude des Viertels war das Gemeindehaus der Bukhara- Juden. —

 

imgp9366-kopie

imgp9373-kopie

… Gewürzhändlerimgp9377-kopie

imgp9384-kopie

imgp9391-kopie

imgp9392-kopie

… Frühstücksraum unseres B&Bimgp9314-kopie

imgp9321-kopie

… in einem Künstlerhofimgp9322-kopie

… nichts da mit HighTech- Bikes, hier geht´s um Fahrräderimgp9323-kopie

… auch im Hof. Für die Jüngeren: Was ist das grüne Gerät?imgp9331-kopie

imgp9338-kopie

imgp9342-kopie

… Dame, wie in Asien: Braun werden ist uncool.imgp9345-kopie

… woher nur kommen diese Motor- Frische- Nummernschildhalter? Wer was auf sich hält, hat sowas an seinem in Uzbekistan hergestellten Daewoo- Chevy …imgp9349-kopie

… Orientimgp9357-kopie

imgp9360-kopie

… ohne Helm!imgp9364-kopie

imgp9439-kopie

imgp9450-kopie

 

imgp9394-kopie

imgp9397-kopie

imgp9400-kopie

imgp9412-kopie

imgp9418-kopie imgp9420-kopie

… muss irgendwie ein gewinnbringendes Geschäft sein, Vor- Hochzeits- Fotosimgp9426-kopie

imgp9428-kopie

imgp9437-kopie

Kategorien:Reise, Uzbekistan Schlagwörter:

Khiva (06.-08.10.2016)

Khiva, die kleinste und (für mich) schönste Stadt an der uzbekischen Seidenstrasse, liegt etwas abseits. Vermutlich hat dies den Charme der Stadt auch gerettet. Es gibt keinen Flughafen und keine Bahnstation. Üblicherweise reist man mit dem Flugzeug nach Urgench und von da weiter mit Bus oder Taxi.

Wir erreichen die Stadt am späten Nachmittag. Erster Rundgang, Abendessen, weiterer Rundgang. Für den nächsten Tag ist die Eigentour geplant, mit Buch unter dem Arm durch die Stadt. imgp9112-kopie

… kurz darauf werde ich ermahnt, dass die Kamera in der Tasche zu verschwinden hatimgp9113-kopie… Abendlicht

imgp9125-kopie

    imgp9137-kopie

imgp9138-kopie… Unmengen Vögel streben ihren Nachtschlafplätzen im nahen Stadtpark zu

imgp9119-kopie

imgp9158-kopie

imgp9175-kopie

imgp9176-kopie

imgp9181-kopie

… Orient

imgp9178-kopieAm nächsten Tag durch die Stadt

imgp9239-kopie

imgp9192-kopie

… dem Unternehmertum scheinen kaum Grenzen gesetzt, zumindest da, wo Touristen hinkommenimgp9193-kopie

… chinesische Uzbeken, Uiguren, aus Urumchiimgp9199-kopie

imgp9201-kopie

imgp9205-kopie

imgp9220-kopie

imgp9221-kopie

imgp9223-kopie

imgp9226-kopie

imgp9227-kopie

imgp9237-kopie

imgp9238-kopie… Orient von seiner schönsten Seiteimgp9298-kopie

… die Stadtmauer, allerdings nur aus Lehm und stetig reparaturbedürftig

imgp9294-kopie

… ein Innenhofimgp9270-kopie

imgp9266-kopie

imgp9272-kopie

… wer´s magimgp9274-kopie

… handgewebte Stoffeimgp9275-kopie

… zu Gast bei einem Tischlerimgp9276-kopie

imgp9277-kopie

imgp9296-kopie

… das sowjetische Erbe ist nicht zu übersehen imgp9301-kopie

… orientalische Bushaltestelleimgp9302-kopie

imgp9303-kopie

… Lehmstampfereiimgp9304-kopie

… unser B&B, wie schon 2009imgp9305-kopie

… im Innenhof wird ein bißchen gebaut

Kategorien:Uzbekistan Schlagwörter: ,

Uzbekistan, die Reise beginnt

Ein Plan wurde geschmiedet, im vergangenen Jahr. Die engsten Schulfreunde, mit ein paar von ihnen reisten wir bereits gemeinsam durch Kuba in 2014, hatten den dringlichen Wunsch, Zentralasien kennenzulernen. Eigentlich sollte das Ziel Turkmenistan sein. Da wir allein und selbstorganisiert reisen wollten, schlugen wir als Einstimmung Uzbekistan vor. Seidenstrasse, TausenduneineNacht, Hodscha Nasreddin, Samarkand, das klingt auch verlockend. Wie aus der Kuba- Reise bewährt, war die Aufgabenteilung schnell verabredet. F. kümmerte sich um die Visabeschaffung, wie immer durch die Visumcentrale, da sie in Berlin wohnt. Eine andere Freundin übernahm die Buchung der Flugtickets. Die Liebste und ich übernahmen den Rest. Schliesslich waren wir schon mehrfach in dem Land. Auf der geplanten Route fuhren wir 2009 mit dem Wohnmobil.

Insgesamt 14 Freunde fuhren los am 4. Oktober. Ein paar kamen schon früher nach Moskau, um das lange Wochenende zur Einstimmung in der Stadt zu verbringen. Im Transit des Flughafens Sheremetyevo SVO trafen wir uns.

Organisiert waren die Übernachtungen und die Busse und Zugtickets im Land.

Nach einem Nachtflug erreichten wir Tashkent. Die Zollformulare hatten wir bereits vorher ausgefüllt. Trotzdem zog sich die Einreise hin. Wichtig ist derzeit, alles Wertvolle aufzuschreiben und vor allem alles Geld genau zu zählen. Vom Ankunftsterminal 2 mussten wir zum Terminal 3. Dies kann man nicht zu Fuss. Gut, dass ein Bus bestellt war. Die einzige grosse Panne der Reise geschah bereits am Anfang: Aufgrund eines Missverständnisses fehlten 12 Inlandsflugtickets, von Tashkent nach Urgench. Und am selben Tag gab es keine Plätze mehr im Flugzeug, trotz dreier Flüge. Wir kauften für den Folgetag und fanden ein Hotel in der Stadt. Dummerweise war das ansonsten immer verfügbare Hotel Uzbekistan belegt. Eine Qualirunde für eine Fussballweltmeisterschaft sollte in den nächsten Tagen stattfinden, deren Busse wir auch später sahen.

Was macht man mit einem ungeplanten Aufenthalt in Tashkent? Rundfahrt und Spaziergang durch die Stadt.

imgp9069-kopie

… das Denkmal für die Opfer des Erdbebens von 1966imgp9089-kopie… Schönheiten Zentralasiens in einem Park, nahe dem Ministerratsgebäude

 

imgp9095-kopie

… Timur- Statueimgp9091-kopie

… vor dem Hotel waren die Edelkarossen der Stadt zusammen gekommen als Transportmittel und Fotohintergrund für die Brautpaare

imgp9109-kopie… das Kongresszentrum, die Geschichte dahinter ist noch beeindruckender

Kategorien:Architektur, Uzbekistan Schlagwörter:

Barkas B1000

 

imag0632-kopie gesehen an der Zulassungsstelle in Moskau.

Kategorien:Auto Schlagwörter: