Archiv

Archive for März 2015

Bishkek- Kochkor- Bishkek

Am Dienstag kommen wir an in Bishkek. 4 1/2  Stunden Flug, 3 Stunden Zeitunterschied zu Moskau, schon ist eine ganze Schicht erledigt … Zum Glück gibt es email, Telefon und Whatsapp, sodass auch mitten in der kirgisischen Nacht das Leben noch pulsieren kann.

Hotel: Futuro HIER ist recht gut. Designer- Hotel, ordentlich, budgetfreundlich mit rd. 50 USD p.N. im DZ. Nur die Lage „unweit des Zentrums, in einem ruhigen Bezirk“ laut Hotelbeschreibung ist etwas übertrieben. In Sichtweite befindet sich das hauptstädtische Heizwerk, das nicht nur optisch stört. Am kommenden Morgen wurden wir um halb 6 von einem ohrenbetäubenden Getöse geweckt, ca. zehnminütigem Turbinenlärm, ähnlich dem eines Flugzeugs. Der Rezeptionist erkläre später, dass einmal monatlich die Filter der Schornsteine ausgeblasen werden, was just an jenem Morgen geschah. Nun gut, ich habe wenigstens das Fenster schnell geschlossen …

Am Mittwoch gibt es Kundenbesuche und die erstmalig stattfindende KyrgyzComak, eine Bau- Ausstellung. Gut, dass wir keinen Stand haben, sondern nur als Besucher angereist sind. Der Schwerpunkt liegt eindeutig auf dem privaten Hausbau.

Am Donnerstag machen wir uns auf die Reise. Ziel ist das rund 3 Stunden entfernte Kochkor. Wir befahren die neue autobahnähnliche Strasse, die von Bishkek bis nach China, über den Torurgart- Pass, führt. Unterwegs besuche ich Kunden.

Hotel in Kochkor? Homestay, zum Glück mit Innen- Dusche und -WC.

Der Freitag vergeht ähnlich, in der Umgebung von Kochkor gibt es auch noch Kunden zu besuchen.

Ich nutze die Gelegenheit und lerne etwas über die Shyrdak. Shyrdak sind handgefertigte Filzteppiche, – kissen und ähnliche Dinge für das Wohnen, deren Herstellung und Design von der UNESCO als immaterielles Weltkulturerbe 2012 anerkannt wurde. In Kochkor gibt es eine Frauen- Kooperative, Altyn Köl. Ziel ist, die Technik der Filzherstellung und -bearbeitung zu erhalten und den Frauen Einkommen zu schaffen.
Ich lerne Burul und Dinara kennen, die mich schliesslich auch zu einer der Meisterinnen, Aynagul, und deren Familie begleiten.

Am späten Samstagvormittag geht es zurück. Wir halten noch am Petroglyphen- Feld in Cholpon- Ata, bevor wir über den Highway Bishkek erreichen.

Am Sonntag habe ich die Stadtbesichtigung geplant. Der Morgen empfängt mit Minusgraden und Schneeregen. Also verkürze ich, beschränke mich auf Galerien und einen kurzen Fussweg und verbringe den Rest des Tages mit Arbeit am Laptop und – nichts.

Am zeitigen Montagmorgen werde ich zurück nach Moskau fliegen. Das wird wieder ein Tag:

03:45 Taxi zum Airport Manas/ Bishkek, FRU
06:20 Abflug SU1883 FRU SVO
07:50 Ankunft SVO
nach Hause, Koffer aus- und neu packen
Office
15:00 Fahrt zum Airport DME
18:35 Abflug S71149, durchgeführt von Globus, nach Krasnodar KRR
20:55 Ankunft KRR
Transfer zum Hotel, kurzer Imbiss vermutlich
22:30 in´s Bett, was ja kein Stress ist, wenn im Kopf nicht die Bishkeker Zeit wäre: 01:30

Da möchte ich doch dem nunmehr, auch zu Unrecht, in den Mittelpunkt des öffentlichen Interesses und der preiswerten Zeitungen mit den grossen Buchstaben geratenen fliegenden Personal fast zurufen:

Liebe Leute, es gibt noch mehr Menschen, die zwischen Zeit- und Klimazonen pendeln, nicht zu knapp unterwegs sind, Familie haben und die immer wissen, dass das alles die eigene Wahl ist.

Margot Käßmann hat einen treffenden Beitrag geschrieben, der endet mit einem Bibelwort

Jesus selbst ruft am Kreuz „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ (Mk 15, 34) Und doch findet er zum Vertrauen zurück und sagt sterbend: „Vater, ich befehle meinen Geist in deine Hände.“ (Lk 23, 46).

Heute lese ich, dass der geplante Krieg zwischen Saudi- Arabien und dem Iran auf dem Gebiet des Jemen mehrere Jahre andauern wird. Ein Spezialist vergleicht die bevorstehende Auseinandersetzung zwischen Schiiten und Sunniten mit dem 30jährigen Krieg, der in Europa das Mittelalter markierte.

Beängstigende Aussichten.

Moscheen sehe ich überall, in Zentralasien, in Tatarstan, Tschetschenien und Bashkortostan, in Azerbaijan.

Osterwoche. Zeit zum Nachdenken.
Am Mittwochabend geht es nach Hause, Familie sehen.

Advertisements
Kategorien:Airlines, Kyrgyzstan

Was für eine Woche …

2015/03/29 1 Kommentar

4U9525 ist am 24. März gegen eine Wand geflogen. Anzunehmen ist nach allerdings sehr rasch und sehr öffentlich gezogenen Schlussfolgerungen, dass einzig der wohl psychisch labile Co- Pilot Schuld gewesen sei.
Irgendwann werden wir hoffentlich die komplette Wahrheit erfahren, nicht nur aus der NYT, die in diesem Unglücksfall mehr zu veröffentlichen hatte als die deutschen Medien.

Mir kommen ganz andere Gedanken in den Sinn. Mehr als 100 Mal pro Jahr lasse ich mich abtasten, kontrollieren, besteige ein Flugzeug. Wenn ich kann, wähle ich eine als sicher geltende Airline, am liebsten jene zur Star Alliance gehörenden. Bei denen bin ich von den hohen Standards überzeugt. Häufig muss ich nehmen, was da ist, weil ich Umwege schon wegen meiner kostenkontrollierenden Hauptbuchhalterin nicht buchen kann.

Piloten sind eigentlich nichts anderes als Busfahrer in der Luft. Ihr Bus ist grösser, schneller und vor allem schöner. Ihre Uniform sieht schicker aus. Ihr Gehalt ist immer weit höher. Die Piloten einiger Airlines haben ein nur relativ kurzes Berufsleben und können dann recht komfortabel viele Jahre des vorgezogenen Ruhestands geniessen. In einer der Auswandererserien wurde mal jener LH- Pilot begleitet, der aus Steuergründen nach Urugay ging. Der Beruf übt eine besondere Faszination aus, ganz ähnlich der des Kapitäns oder Arztes. Das mag an der Uniform liegen, an der Exklusivität, am hohen sozialen Status. Die deutsche Gewerkschaft der Piloten kann ähnlich der ihrer bahnführenden Kollegen ein Monopol nutzen und Streiks besonders wirksam machen. Das unterscheidet sie im Wesentlichen von ihren Kollegen im Osten.
Im Osten heisst der Flughafen häufig noch Luftbahnhof, AeroVokzal, und sieht auch dementsprechend aus. Die Uniformen sind, wenn neu, eben schick wie Uniformen hier nun mal sein sollen. Kaum sieht man aber den trainierten, braungebrannten, Modejournalfähigen und mit sonorer Stimme sprechenden Helden. Der Pilot und sein Co sind eher die Kumpel von nebenan, gerne auch älter und die Lebenserfahrung nicht verbergend. Die Regel, nach der die Passagiere nach der Landung sitzen zu bleiben haben, bis der Kapitän das Schiff Flugzeug verlassen hat, wurde inzwischen gegen die Gewohnheit getauscht, möglichst sofort nach Bodenkontakt der Räder mit dem Ausräumen der Gepäckfächer zu beginnen. Piloten gehen mit 55 in Rente, Nicht- Piloten mit 60. Die Pension reicht gleichermassen nicht.

Hintergrund für Filme, nette, spassige, den Schlaf raubende, bietet die Luftfahrt auch immer wieder. Leonardo DiCaprio in „Catch me if you can“, Denzel Washington als alkoholkranker Pilot in „Flight“, Jodie Foster in „Flightplan- Ohne jede Spur“ oder „Treffpunkt Flughafen“ über die DDR- Interflug, alles habe ich gesehen.

 

Und nun das.

 

Bei Germanwings, der Lufthansa- Tochter, die aus Kostengründen auch die Route Moskau- Berlin komplett zu bedienen hat.

 

Viele Leute sind jetzt schlau. Ich bin einfach nur schockiert und verunsichert.
Wie kann einer ohne dauernde Beobachtung bleiben, wenn er während seiner Pilotenausbildung 1 1/2 Jahre wegen grosser psychischer Probleme pausieren musste? Wie kann so ein Kandidat überhaupt den Pilotenschein in der LH- Akademie machen? Wollte niemand die bereits investierten Ausbildungskosten verlieren? Oder kannte er jemanden, der jemanden kannte?
Wo ist der Sky Sheriff, von dem ich glaubte, dass er seit 9/11 auch zur LH gehört?
Ist es also gleichgültig, ob ich bei Auswahl den Mehrpreis für LH/ LX/ 4U zahle, wenn am Ende doch nur alles gleich ist?
Weshalb sagen LH/ 4U- Crews am Folgetag der Katastrophe Flüge ab und alle sollen Verständnis haben? Müssten nicht eher Passagiere zweifeln?

Mir tun nur die Leute leid. Die, denen diese Minuten in Todesangst vor dem unweigerlichen und zu frühen Ende den Verstand geraubt haben müssen. Die, die ihre Liebsten verloren haben.

Am Unglückstag flog ich mit Aeroflot SU1880 von Moskau SVO nach Bishkek FRU, Hauptstadt von Kyrgyzstan/ Kirgistan/ Kirgisien, 4 1/2 Stunden mit einem Airbus A320.

Kategorien:Airlines, Nachrichten

Meine Liebe

2015/03/22 1 Kommentar

… nee, nee, hier kommen jetzt keine Offenbarungen und Beichten.

Schon vor dem Sanktionstheater gab es das Phänomen der scheinbar deutschen Marken, die daheim keiner kennt. Mit dem Wegfall der Importe und der herbstlichen Währungsturbulenzen wurde die Sache noch interessanter.
Gestern in der METRO, dem blau- gelben Einkaufsmarkt, sah ich ein neues Erzeugnis. Gegoogelt, fand ich einem Internetshop heraus, dass „Meine Liebe“ in Dänemark hergestellt wird. Warum nur schreiben sie dann noch rauf, dass es sich um Waschpulver für Kinderwäsche handelt?

meine liebe 1Auch der Weichspüler eines anderen Versenders musste ein -etwas holpriges- Werbedeutsch bekommen. Oder wie soll ich sonst „Weichspülmittel für Wäsche“ in der Note „Frühlingshimmel“ verstehen?

meine liebe 2

Der Edamer aus dem Hause Störtebecker, zur Gut von Holstein GmbH gehörend, sieht für Deutschland auch ein wenig anders aus als im russischen Online- Geschäft. Der Käse der Marke Käseschloss  macht einen recht handgemachten Eindruck…

… bleibt zu hoffen, dass wir auch sonst noch gern gesehene Gäste und Geschäftspartner bleiben dürfen …

Kategorien:Marken, Russland

Sanktionskäse

Jedes Büro hat seine Rituale. So zeichnen sich Kollektive in „meinen“ Ländern durch eine sehr gewissenhafte Beachtung von Geburtstagen, nur zum Beispiel, aus. Ohne möglichst grellfarbige Cremetorte, gerne in babyrosa oder -hellblau gehalten, mit silbermetallic Kügelchen drauf geht nichts.
Ähnlich gelagert ist die Sache mit Geschäfts-, Dienst- und Urlaubsreisen im Moskauer Büro. Kommt wer zurück, muss er irgendetwas Typisches mitbringen zur allgemeinen Degustation in der Büroküche.
Dresdner Stollen, Pulsnitzer Lebkuchen, Schoki aus der Schweiz, Turkish Bazaar Delights (Duty Free IST Airport), Datteln mit Mandelkernen und Nüssen drin (Duty Free DXB Airport), Melonen aus Ashgabat, Süssigkeiten aus Baku, Weintrauben aus Tashkent, kurz: irgendetwas bringt der Reisende den Daheimgebliebenen, Weiterschaffenden als Trost und Gruss mit.

Seit Einführung der Sanktionen hat sich dies ein wenig verlagert.
20150317_091450-1
… Käse aus Deutschland, Brezeln aus der Schweiz

20150317_091504-1

Vermutlich wegen des Fehlens der Startkulturen und auch wegen mangelnden Antriebs wurde bislang in Russland weder Camembert noch Brie noch Blauschimmelkäse hergestellt. Einzig Schmelzkäse und Scheibenkäsesorten schafften es, wobei erstere kaum richtiger Käse wurden und letztere kaum schmackhaft waren. Eine Reaktion auf das fröhliche Sanktions- und Gegensanktionsspiel des vergangenen Jahres war der Einfuhrstopp für europäischen Käse. Das ist hart.
Damit wir uns richtig verstehen: Ja, jeder kann ohne Roquefort leben, sehr lang und auch glücklich. Aber ab und an möchte die Zunge eben eine Herausforderung haben, oder? Und gerade dann, wenn es etwas nicht gibt, meldet sich die menschliche Natur und entwickelt ein besonderes grosses Verlangen.
Resultat: Statt Weißwurst, Leberwurst, Schinken bringen wir, die Privat- und Geschäftsreisenden, nunmehr Käse mit. Egal ob von Al*i oder der Frischetheke, jede Form von Käse wird mit grossem Hallo aufgenommen.
… so schafft man viel Freude mit geringsten Mitteln

 

Und da ich nicht weniger reise als zuvor, hier ein Bild der vergangenen Woche aus Ashgabat. In Kiew fotografierte ich nicht, an der Ostsee beschäftigte ich mich mit Innenfotografie, in der Schweiz gab es nur Arbeit, deshalb nur dies:

20150307_174213-1

 

 

 

 

Kategorien:Deutschland, Russland