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Archive for September 2014

Was passiert?

2014/09/30 2 Kommentare

Seit dem 26. August geschah Einiges

  • Urlaub an der Ostsee im August. Sonne, Regen und ein Mal morgendliche 3 Grad rundeten das Bild.
  • Eine schnelle Reise nach Ashgabat zwischendurch. Niemand, der mich vertreten könnte, hat ein Visum. Urlaubsunterbrechung mittendrin.
  • Mit dem Auto wieder zurück nach Moskau. Sagenhafte 6 Minuten an der polnisch- weissrussischen Grenze. So muss Grenze sein.
  • Zürich für ein paar Tage Meeting. An einem Abend eine eBiketour mit den Kollegen. Ich denke, ich werde mir mal so ein Gerät zulegen müssen. Irgendwann. Nicht in Moskau.
  • Paris mit dem TGV ab Zürich für ein Wochenende. Eine halbe Stunde hinter Zürich bleibt der Zug stehen. Oberleitungsschaden. Wir steigen über Leitern auf einen Evakuierungszug um. Ankunft in Paris runde 4 Stunden später. Paris war nett. Stadtspaziergang, am ersten Abend die elsässische, am zweiten Abend die japanische Küche, dazwischen mal einen Kaffee- so kann Leben auch sein.
  • Dazwischen immer Moskau.

Ich wurde schon angefragt, ob etwas Ernstes passiert sein, da ich nicht bloggte.
Nein, eigentlich nicht.
Ja, doch.

Ich merke, wie mir das Kriegsgeschrei auf das Gemüt schlägt. Ich wunderte mich bereits Ende letzten Jahres über die Hitlisten- Platzierungen der dem 1. Weltkrieg gewidmeten Bücher.

Ich bin erschüttert, wie selbstverständlich ich Wörter wie Waffengang und Stahlgewitter vernehme. Es sind Worte im Gebrauch, die ich in Victor Klemperers LTI vor –zig Jahren in der Reclam- Ausgabe fand. (Heute gibt´s Wikipedia ).

Vernehme ich gar, dass wer „die Russen“ mit einem Krieg erziehen wolle?

Die Bundeswehr sei nicht bereit für einen Verteidigungskrieg im Baltikum? Wozu muss die das?

Ein ukrainischer Verteidigungsminister weiss nicht, wie eine atomare Waffe wirkt und schwatzt in der Welt von deren Einsatz durch die Russen?

Sanktionen und Gegensanktionen und Gegengegensanktionen erzeugen nichts ausser Verlust. Richtig Mitleid für die polnischen Bauern kann ich nicht empfinden, da ihre Regierung zu den Fleissigsten unter den Sanktionsbefürwortern gehörte. Der deutsche Maschinenbau wird das kältere Klima auch spüren.

Das Vertrauen zwischen Russland und Europa ist verloren gegangen. Es ist, als ob ein Franzose und ein Russe, beide Europäer, in ihrer Muttersprache auf den anderen einreden und glauben, dass mehr Lautstärke die völlige Sprachunkenntnis des Anderen ausgleichen kann. Die Ebenen sind völlig verschoben, auf denen sich zwei Menschen, zwei Parteien austauschen können.

Mir fehlen ein wenig die Worte derzeit. Ich bin sehr beschäftigt mit der Sicherung des Bestehenden, mit der Entwicklung von Alternativen, womit wir auch im kommenden Jahr in Russland akzeptiert werden. Wir wollen nichts weiter sein als das, was wir immer waren- verlässliche Partner. Ich reise nicht weniger, sehe nicht weniger Interessantes, aber der Druck auf mein Gemüt ist mir einfach zuviel.

Deshalb muss ich meinen Blog ruhen lassen, bis die Sonne wieder höher steht.

Bis dahin gibt es noch einen Witz aus Moskau:

Der britische Snob, der den neuen Rolls Royce wieder zum Händler zurück brachte, weil der Aschenbecher voll war, ist so alt wie das Empire.

Neu ist die russische Variante vom Oligarchen. Der verkauft seinen Bentley rasch für kleines Geld mitten im Stau, läuft schnell ein paar hundert Meter und kauft einen Wolga zum Preis eines Mercedes. Weshalb? Der Wolga stand näher an der Ampel.

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Kategorien:Deutschland, Gelesen