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Archive for Mai 2014

Novosibirsk (Nowosibirsk)

Wir erwachen am Morgen und staunen immer mehr: Seit Chita hat sich das Bild der Bahnstreckenumgebung bei jeder Fahrt geändert. Es wurde immer sauberer. Und heute morgen haben wir zum ersten Mal keine abgebrannten Waldflächen mehr links und rechts der Bahn.

Die Zeit reicht für einen ausgedehnten Stadtrundgang. Richtig warm werde ich nicht mit der Stadt, ist irgendwie sehr durchschnittlich sowjetisch angelegt.

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… aus´m Fenster guckenIMGP3508-1

.. Novosibirsk von obenIMGP3512-1

… der BahnhofIMGP3526-1

… altIMGP3562-1

… neuIMGP3567-1

… noch neuerIMGP3566-1

… vermutlich nicht mehr lange daIMGP3569-1

… zum Glück als Architekturdenkmal gekennzeichnetIMGP3581-1

… Lenin, was sonst, im Verein mit anderen HeldenIMGP3594-1

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… Abschied von NovosibirskIMGP3608-1

… die Lok ist gerade durch, also kann man wieder über die Gleise. Was in Deutschland einen mittleren Alarm auslösen würde, ist hier ganz normal. Die Treppen und die Tunnel haben weder Lift noch andere Hilfen, also springt man über die Gleise. Im Hauptbahnhof von Novosibirsk ebenso wie überall in Russland. Russland eben.

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… wir fahren 2 Tage und Nächte, bevor wir uns Moskau nähern20140517_164730-1

… die Vorboten jeder Stadt: Garagenhöfe

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Krasnoyarsk

Die Stadt liegt malerisch in einem Tal. Das sehe ich noch nach den Terminen während einer schnellen Stadtrundfahrt. Der Flussbahnhof ist schön, die Alleen nur halb so breit wie in Moskau, eher so wie die zurück gebaute Friedrichstrasse in Berlin.

Am nächsten Tag besuchen wir erst eine Bau- Ausstellung, anschliessend sind noch zwei Kundentermine. Danach geht es, trotz Nieselregen, zum Wasserkraftwerk Divnogorsk.
Beeindruckend! Ich höre, dass wegen einer Überflutung des höher gelegenen … ein paar Kanäle durchgeschalten wurden, sodass Riesenmengen Wasser den Jennisey hinabschlossen. Resultat war eine Wasserstandserhöhung um 5 Meter in Krasnoyarsk.

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… auf dem Bahnhofsvorplatz grüsst eine grosse Wandinstallation20140513_201006-1

… der Jenissej20140513_202904-1

… eine SS-20 (oder darüber) in der Stadt? An der längsten Strasse der Stadt, der Strasse Krasnoyarsker Arbeiters, liegt das Kühlschrankwerk, in dem man nicht nur Kühlschränke herstellte …

20140513_222015-1… geradeaus: Strasse der Diktatur des Proletariats, rechts: Dsershinskiy- Strasse

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… JennissejIMGP3475-1

… das WasserkraftwerkIMGP3472-1

… Sozialismus = Sowjetmacht + ElektrifizierungIMGP3484-1

… und wieder auf dem Bahnhofsvorplatz

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Irkutsk

… ist leider ein kompletter Arbeitstag, ich sehe die Stadt nur vom Autos aus.

Am Abend geht es weiter nach Krasnoyarsk, die Fahrt wird rd. 18 Stunden dauern. Nach der Sache mit Blago- Chita bin ich vorsichtiger geworden und habe die kompletten Verbindungen bis Moskau durchgeprüft. Nochmals kann ich mir keine Überraschung erlauben …

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… Neuschnee am Morgen!IMGP3432-1

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… es geht weiter

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Baikal- Südufer, die wohl schönste Strecke der Transsib

Im Februar hatte ich bereits diese Strecke gefahren. Wir wählen den gleichen Zug. Die Wagen sind dieses Mal anders angehängt, der Baikal ist auf der Abteilseite. Leider ist der Wagen noch zu neu, meint der Zugbegleiter, niemand hätte sich Zugang zu Frischluft ferschafft. Die Toilettenfenster sind immer noch nur anzukippen, noch nicht komplett zu öffnen. Also muss ich wieder durch geschlossene Scheiben fotografieren.

Am frühen Abend sind wir in Irkutsk. Wir werden erwartet und fahren gleich weiter- zum Baikal. In Listvyanka sei ein Restaurant, wo es Omul vom offenen Holzgrill gebe, sagt unser Freund. Wir werden nicht enttäuscht.

 

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… auf dem Weg zum Baikal

 

 

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… Listvyanka, Warten auf den Sommer

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Ulan Ude (10. Mai)

Wir fahren am späten Nachmittag aus Chita ab, kommen mitten in der Nacht in UU an. Interessant ist, dass auf dieser Strecke aus irgendeinem Grund die Umgebung der Bahnstrecke sauberer, die Häuser weniger vernachlässigt- zumindest bis es dunkel wurde.

Ich  kenne Ulan Ude ein wenig. Am späten Morgen beginnen wir die Tour.

Wir nehmen das Taxi zum Dazan an der Verkhanya Beryozovka, einem der buddhistischen Tempel. Von da fahren wir zum ethnographischen Museum. Viel Museum ist nicht, eher ein Park mit gesammelten Holzhäusern und einer Ausstellung mit Unterkünften der nomadisch lebenden Bujaten. Ein Kleinzoo ergänzt.

Zurück in der Stadt, starten wir vom Lenin- Denkmal aus die Besichtigung. UU ist einfach geordnet. Von Lenin aus die Leninstrasse Richtung Selenga und zurück. Das Stadtmuseum ist im Fussgängerbereich der Leninstrasse und sehenswert. Auf dem Rückweg machen wir  einen eher ungünstigen Bogen und lernen die schmuddlige Seite der Stadt kennen, bevor wir an der Kuybischevskaya die Gemäldegalerie besuchen. Einige Bilder von Ayvasovsky, dem Meer- Maler, und Roerich gibt es in den wenigen Sälen zu sehen.
Im Museum lesen wir von Dashi- Dorsho Itigelov, XII. Pandito Hambo-Lama, also geistliches Oberhaupt der Buddhisten Burjatiens, der im Ivolginski Dazan ist. Dashi- Dorsho Itigelov bat die Mönche, als er 1927 den Tod nahen spürte, für ihn zu lesen. Sie lehnten dies bestürzt ab. Er meditierte daraufhin selbst und verstarb im Lotussitz. Seinem Wunsch gemäss wurde er in dieser Haltung begraben. 2002 wurde er nach seiner Weisung exhuminiert. Rechtsmediziner nahmen u.a. daran teil. Eine Erklärungsvariante ist, dass er im Nirvana ist und deshalb der Körper nicht verfällt.

Mein Freund muss geahnt haben, dass wir an diesem Tag im Museum lange über den Lama sprechen. Er fährt uns zum Ivolginski Dazan, dem buddhistischen Kloster Russlands. Mehr darüber HIER. In der Audienz beim heutigen Lama höre ich einiges Nachdenkenswertes und (zum wiederholten Male) Bewunderung für die dunkelste Zeit Deutschlands.
Der Lama spricht über Itigelov, darüber, dass er noch lebt, dass er einfach die Sowjetmacht abgewartet hat.
Es gibt keinen körperlichen Verfall, die Blutzirkulation sei intakt, selbst die Nägel müssen geschnitten werden. Er sitzt im Lotussitz erhöht in einem klimatisierten Tempel. In seiner Nähe gedachte starke Wünsche werden Wirklichkeit.

Wir dürfen zu ihm. Wir bringen ihm zwei blaue Schals und verneigen uns in Demut.
Jeder denkt und schweigt.
Der Mönch lässt uns rückwärts gehend wieder aus dem Tempel.
Die Situation hatte etwas extrem Ehrfürchtiges, schwer Erklärliches. Ich bin ganz bestimmt nicht religiös. Zu wissen, dass der Mann im Lotussitz gegenüber in einer höheren Sphäre weilt, sein Geist anwesend ist, verunsichert mich.

Wir machen einen Rundgang durch das Kloster. In der Universität studieren junge Mönche aus ganz Russland, bevor sie ihre Studien in Indien und Tibet fortsetzen müssen.

Wir verabschieden uns und fahren zurück in die Stadt. Am Abend testen wir ein neues Restaurant, leider nicht ganz so optimal. Besser wäre gewesen, in eines der „Modern Nomad“- Restaurants ztu gehen, nicht nur wegen des Names. Dort gibt es Nomadenküche, Mongolian BBQ.

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… Brautpaar vor Lenin, ein Brauch, der offenbar nie vergehtIMGP3194 Kopie

… Fassade unseres Hotels: Wir im Souterrain, über uns trappelnde Füsse des WohnhausesIMGP3241-1

… am Flussufer

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… DazanIMGP3199-1

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… Gebetsfahnen

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Chita, (Tschita) 9. Mai, Tag des Sieges

Ankunft am Feiertagsmorgen, Gepäckaufbewahrung aufgesucht, erstmal alles losgeworden, was hindert.
Danach hat eine sehr freundliche Schalterdame ihren Schalter zugemacht und uns erklärt, wie ein elektronisches Ticket der RZD in einen Papierfahrschein umgewandelt wird:

Man gehe zu einem der stehenden Automaten, wähle die Menüsprache (Russisch oder Englisch). Die Ticketnummer ist einzugeben, gefolgt vom Namen des Reisenden und seiner Passnummer. Daraufhin auf „Ausdrucken“ drücken, eine gefühlte Ewigkeit warten. Und dann hat man die Tickets in der Hand. Fertig.

In Bahnhofsnähe gibts das Hotel Chita, wo wir frühstücken wollen. Mit uns sitzen eine Reihe junger Offiziere in Paradeuniform und haben das Gleiche vor. Da es eine knappe Stunde Zeit bis zum Beginn der Siegesparade ist, können wir das preisgünstige und ordentliche Frühstück geniessen. Die Offiziere merken ihren Fehler schnell und stürzen los.

Mit allen anderen Fussgängern gehen wir über die gesperrten Strassen Richtung Leninstrasse. Dort stehen bereits zwei Wolga M24- Cabrio, ein seltener Anblick. Früher wurden Paraden noch in UAZ abgenommen und angeführt.
Mit den üblichen Böllerschüssen beginnt die Zeremonie. Der General lässt sich Meldung erstatten, amschliessend begrüsst er die angetretenen Waffengattungen einzeln. Er hält eine kurze Rede, Böses kann ich nicht hören. Und dann marschieren sie. Im Anschluss kommen die motorisierten Einheiten. Ende.

Wir gehen durch die Stadt. Die Strassen sind schachbrettartig angeordnet. Das Dekabristenmuseum finden wir irgendwie nicht. Es hat ohnehin geschlossen. Eine Reihe wirklich schöner alter Häuser gibt es zu besichtigen. Chita war für kurze Zeit die Hauptstadt der  Fernöstlichen Republik. Man erinnere sich der Szene in Dr. Schiwago, als der Kaufmann Komarovskiy vor den Roten auf der Flucht ist und nach Chita reist.

Auf der Leninstrasse herrscht Volksfeststimmung. An zentraler Stelle befindet sich das Militärmuseum. Kinder turnen auf ausgestellten Panzern herum, Luftballons, Zuckerwatte und der übliche Kram solcher Feste runden ab.

Irgendwann meldet sich der Hunger. Wir bevorzugen sibirische Pelmeni, grosse gefüllte Teigtaschen, hier Pusy genannt, in einem recht volkstümlichen Cafe. Trotz des einfachen Ambientes sind sie lecker. Am Nachbartisch begeht ein einzelner Gast den Feiertag auf seine Weise. Er trinkt eine Flasche Vodka langsam, aber zielsicher, und verdrückt dabei 3 Portionen der Pusy.

Am späten Nachmittag sind wir zurück auf dem Bahnhof. Im Wartesaal läuft das Feiertagsprogramm, Filme aus dem grossen Vaterländischen. Wir warten auf unseren Zug, um weiter nach Ulan Ude zu fahren.

 

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… Parade

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… in diesem Gebäude befand sich von 1920 bis 1922 die Regierung der Fernöstlichen Republik

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… Klassizismus überallIMGP3152-1

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… BaulöwenträumeIMGP3161-1

… Lenina 32, die Pusy hier waren leckerIMGP3164-1

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… Haus der OffiziereIMGP3176-1

… RotarmistennachwuchsIMGP3173-1

… eine andere Form von KunstIMGP3177-1

… allgegenwärtig und immer wachsam

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Russland ist ein grosses Land, ha-ha-ha

… trällerten nicht nur die ewigen Superstars der Gruppe Dschingis Khan. Auch ich kann jetzt mitsingen.

Aus Blagoveshchensk fahren wir am Abend, am Morgen wollen wir in Chita sein. Ich stelle mein Telefon auf Wecker, eine reichliche Stunde vor Ankunft, damit noch Zeit für Katzenwäsche und Morgentee bleibt. Und dann warten wir. Um 8:15 sollen wir da sein, lokale Zeit. Nichts passiert. Der Zug fährt einfach. Ich schaue in meinen Reiseplan und werde nervös. Für Chita sind nur ein voller Tag ohne Übernachtung vorgesehen, am Abend soll um Mitternacht der Zug abfahren nach Ulan Ude.

Ich gehe zum Zugbegleiter und frage, wann wir endlich ankommen. Er meint, dass wir erst noch durch Skovorodino durchmüssen. Das dauert noch. Hm, irgendwas stimmt nicht. Also nochmals Plan studiert und verglichen.
Ergebnis: Der Zug fährt 2 Nächte und einen vollen Tag von Blago bis Chita! Die Agentur hat sich verrechnet beim Ticketverkauf!
Und was passiert jetzt mit den Tickets für alle folgenden Stationen?
Die nächsten zwei längeren Halte, 15 und 20 Minuten lang jeweils, schicke ich die Beste los zum Ticketändern, wie vom Zugbegleiter empfohlen. Das erste Mal ist Mittagspause, das zweite Mal braucht das Buchungssystem zu lange. Sie kann wenigstens die ungenutzten Tickets ab Chita nach Ulan Ude ohne Abzüge zurückgeben. Der Zeitunterschied erlaubt nunmehr auch, in Moskau anzurufen. Bis zur nächsten Station, an der es wieder Empfang gibt, sind zwei neue Tickets von Chita nach Ulan Ude elektronisch gebucht. Bleibt nur noch, diese irgendwie auszudrucken.

Wir packen die Koffer wieder teilweise aus, ziehen uns um und richten uns auf ungeplante längere Fahrt ein.  Bordrestaurant gibt es nicht in diesem Zug, nur ein Stehcafe, wo alles verkauft wird. Eine Instantsuppe mit Chinanudeln, am Abend wird auch was Warmes serviert, Bier und Wasser, Tee aus dem Samowar im Wagen- niemand kommt um wegen Hunger oder Durst.

Was ist bemerkenswert an diesem Tag?

… endlose Weite und vergammelte Dörfer mit Schutt- und Müllbergen Richtung Bahngleise

Für Selbstbucher der Transsib eine Sache zum Nachdenken: Wir haben immer das komplette Abteil gebucht, um der allzu grossen Nähe zu entgehen. Für sparsamere Naturen gibt es einige Einschränkungen. Neben den getrennten Abteilen für Männlein und Weiblein gibt es auch gemischte. In einem Nachbarabteil kommt es in der Nacht zu Stress. Er, in unvermeidlichem Trainingsanzug und leicht dampfend, schimpft lauthals über seine Mitfahrerin. Sie versteht die Aufregung nicht, wo doch ihr kleiner Husky nur ein bißchen einsam ist.
Am Morgen erzählt sie auf dem Gang, dass sie den Welpen erst am Vortag, kurz vor der Abfahrt, vom Züchter in Blago, bekommen hat und nun nach Hause fährt. Sauber ist die Hündin schon, aber eben einsam. Und so winselte sie die gesamte Nacht eben.

Am 9. Mai, an dem wir eigentlich in Ulan Ude sein wollten, kommen wir endlich in Chita an.

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… eine Station, die mit der BAM gemeinsam läuftIMGP3095-1

… Birken, was sonst ausser Sumpf, Wiesen, MoorenIMGP3081-1

… ein eigentlich schönes Dorf irgendwo an einem Flussufer, wennIMGP3081-11

… die eine Gasse nicht einfach als Müllkippe genutzt würde undIMGP3081-12

… die Brücke geschlossen wäreIMGP3103-1… wir fahren in die zweite Nacht

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