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Archive for Februar 2014

Almaty

2014/02/10 2 Kommentare

Der kommende Freitag naht, ich muss die letzte Woche vor dem Urlaub gut nutzen. Am Sonntagabend steht um halb 8 das Taxi vor der Tür. SVO, Air Astana, der Flug nach Almaty- nichts Neues, wenn die Nacht ruhig bleibt.

Wir fliegen ruhig, ich bekomme fast nichts mit, schlafe tief trotz steiler Rückenlehne.  Zum Glück, wie ich bei der Landung merke. Ein französisch sprechender Mensch krakeelt in der Reihe vor mir, 2- 3 Reihen vor mir und hinter mir sind Kleinkinder unterwegs und verstehen die Welt nicht richtig.

Am frühen Morgen, halb 4 Moskauer Zeit, landen wir. Pass, Gepäck, Taxischild finden, alles geht zügig. Oho! Minus 21 Grad empfangen mich. Mütze tief ins Gesicht gezogen, flach atmend eilen wir zum Taxi. Das Taxi gehört zu Eko Taxi, scheinbar der Platzhirsch inzwischen in der Stadt. Der Fahrer hat weniger als ich geschlafen. Als er mit 80 von der mittleren an den äusseren Rand der linken Spur pendelt, sehe ich im Spiegel, dass er schläft. Nichts passiert, entschuldigt sich, macht das Fenster auf und fragt mich, ob er mitsingen darf. Ist mir auch egal, Hauptsache, wir kommen ohne Unfall an.

Ein Tag im Büro, am Abend schnell ins Hotel. Abendessen, klein, bißchen Olympiade auf kasachischem TV und im Internet gucken, schlafen.

20140210_081859-1… tief gefrorene Büroaussicht, es knirscht frostig, alles ist in Winterstarre

20140210_083438-1… die Sonne geht auf

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Kategorien:Almaty, Jahreszeiten

Endlich …

2014/02/08 1 Kommentar

… hat die Olympiade in Sochi begonnen. Doch zuvor war ich noch in Dresden.

Die kürzlich erfolgte grosse Inspektion im Krankenhaus hatte ein, zwei kleine Roststellen und einen Fahrwerksverschleiss offen gelegt. Nicht, dass da etwas Ernsthaftes bei der grossen Kamerafahrt nach innen zu sehen gewesen wäre. Wegen der nachmittäglich geplanten Autofahrt, vor allem aber wegen der Bemerkungen der Nomadenmutter und eines anderen Ruhelosen, dass man solche Ausflüge ohne Narkose erledigt, hatte ich Gelegenheit, mich von innen zu betrachten. (Die Narkose ist wirklich nicht nötig, wenn man schon mal einen ordentlichen Bohneneintopf, am besten noch mit einer Zwiebelsuppe als Vorspeise, genossen und anschliessend längere Zeit in einer Konferenz zugebracht hat.)
Der Termin beim Mobilitätsservice für Nomaden kam glücklicherweise schnell zustande. Das musste Prämisse haben, ich buchte kurzentschlossen. Am Ende des Nachmittages hatte ich ein paar Empfehlungen, mehrere Rezepte und neues Schmiermittel in der Hand mit der Gewissheit, dass ich den Spezialisten wegen regelmässiger Besuche künftig zu meinen guten Bekannten zählen muss.

Moskau- Dresden lässt sich einigermassen bezahl- und zeitlich vertretbar nur mit Aeroflot fliegen. Von Yakutia oder UT Air bin ich weniger begeistert. Trotz der Gewissheit, dass diese Airlines bei Mängeln keine Genehmigung für Deutschland erhalten würden, mag ich deren Gebrauchtflugzeugbestand überhaupt nicht. Wer selbst nachlesen will, z.B. HIER steht alles über UTAirs Flugzeugbestand. Ab 26. Mai kommt ein täglicher Flug. Prima!

Nicht nur im Wartezimmer hatte ich Zeit zum Lesen. Die SZ titelte an diesen 3 Tagen

Dresdens Flughafen setzt auf die russische Karte
Ab Mai geht’s täglich nach Moskau. Im Sommerflugplan stehen neue Ziele – und Hoffnung.

Orden bangt wegen Infinus um Millionen
Ein Hilfswerk aus dem Erzbistum Köln gehört zu den größten Gläubigern der zahlungsunfähigen Dresdner Finanzgruppe.

CDU-Schatzmeister gibt Amt ab
Angesichts anhaltender Fragen rund um Geld in Steueroasen zieht CDU- Schatzmeister Helmut Linssen Konsequenzen

und in jeder anderen Zeitung, Zeitschrift, in jeder Fernseh- Nachrichtensendung und im Radio gab es daneben nur ein wirkliches Thema. Egal, ob es um Putin, das Gesetz um die Homosexuellen- Propaganda, der Konflikt in Kiew, fehlende Trennwände in Neubautoiletten, Zahnpasta- Bomben ging- Russland ist einfach die Heimat des Bösen. Mich nervt derlei undifferenzierte Berichterstattung einfach. Nicht, weil ich in Russland lebe und arbeite. Sondern weil mit solchen medialen Rundumschlägen die Chance vertan wird, das wirklich Wesentliche zu übermitteln.

Am Dresdner Flughafen, nach dem Check- In, sah ich einen eigentlich nur in Russland üblichen Fahrzeugauflauf. Flugs stellte ich mich auch ans Fenster und sah sie:

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20140207_134550-1 Kopie… Königin Silvia von Schweden war zum Semper- Opernball angereist. Was für ein Empfang!

Am Abend kam ich endlich zum heimischen TV, in Moskau, und konnte den Einmarsch der Nationen noch sehen, ebenso den historischen Ablauf ab Griechensaga. Perfekt! Die Panne um die nicht aufgegangene Schneeflocke sah ich erst später im Internet. Wie nicht anders zu erwarten, war die ZDF- Kommentatorin bemüht, alle aktuellen Stereotype herunterzubeten. Selbst vor dem Gerücht um Putins Verhältnis mit Alina Kabayeva, die „ihm ein oder zwei Kinder“ geboren haben soll, machte sie nicht halt.

Was in Peking oder Vancouver als Reminiszenz an die Kultur des Gastgeberlandes galt, ist in Sochi Kniefall vor Putin.

Peking Eröffnungsfeier in Peking Donnernde Düsenjäger jagen über das Stadion
2008 Trommler geben den Takt vor- ein eindrucksvolles Schauspiel
Kinder in traditionellen Kostümen tragen die chinesische Nationalflagge unter großem Applaus in das Stadion. Die chinesische Hymne erklingt, das Publikum erhebt sich und stimmt ein, während die Flagge gehißt wird.
Eine mehrere Hundert Mann starke Tanztruppe stellt prächtig geschmückt die Entstehung der chinesischen Druckkunst dar.

… undenkbar in Sochi …

Ich jedenfalls freue mich, dass die Spiele begonnen haben. Hinfahren werde ich nicht, da ich diese Zeit wieder anders geplant habe. Zumindest die Snowboard- und die Skiabfahrt- Wettbewerbe werde ich am TV so weit möglich verfolgen.

Transsib „light“

2014/02/02 5 Kommentare

Moskau- Irkutsk hatte ich schon kurz nach Neujahr 2006 gefahren. Es war eine interessante Reise: 3 Nächte, 4 Tage verbrachten wir, die Älteste und ich, auf der Strecke. Anfangs dachte ich, es endet nicht. In Irkutsk wären wir gerne gleich noch weitergefahren. Dazwischen lagen ein Buch, Vater- Tochter- Gespräche und viel, viel russische Winterlandschaft.

Der Flugplan war dieses Mal schuld: Aeroflot fliegt nicht täglich nach UU. Bis Dienstag zu warten erschien mir zuviel des Guten. Mit einer anderen Airline will ich nicht fliegen, seit der Kazaner Katastrophe achte ich sehr darauf. Ein wenig Entschleunigung könnte mir auch gut tun, dachte ich. Also Alternativen gesucht und gefunden. Transsib für rund 8 Stunden, von Ulan Ude bis nach Irkutsk.

Wir kauften das Ticket im sogen. Coupe (купе). Dies sind abgeschlossene 4er Abteile. Der Zug war ausgesprochen leer, sodass ich allein fahren konnte. Bettwäsche gab es, ein Handtuch auch. Am Waggonende, neben dem Schaffnerinnen- Abteil, steht der Samowar. Dessen Ofen ist die allgemeine Müllstelle für alles Brennbare. Tee, Fertigsuppe, Kekse und Schokolade aller Sorten kann man erwerben.

Die Fahrt war wie erwartet: Ab UU ging es für rd. 2 Stunden durch die Landschaft, danach lange am südlichen Baikalende entlang. Diese Bilder sind sicher schon tausendfach gemacht worden. Die Faszination der Landschaft bleibt. Ich probiere ein wenig die Panorama- App meines Handys aus. Die Fahrtgeschwindigkeit erinnert eher an den Freundschaftsexpress in Vietnam, der mit max 38 km/h Nord und Süd verbindet. Richtig schnell fuhren wir nie- recht angenehm für mich, der ich an diesem Sonntag was sehen wollte.

Die Ankunft in Irkutsk ist pünktlich. Es sind schlaffe Minus 27. Hotel, Omul (der Baikalfisch) im Restaurant, dabei ein Gespräch, schnelle Nacht. Am Morgen um 5 Uhr 15 soll das Taxi vor der Tür stehen. Die Zeitverschiebung zu Moskau, plus 5 Stunden, nervt mich. Richtig müde werde ich nicht, richtig munter auch nicht. Und das, obwohl ich immer sofort nach dem Rhythmus des Zielorts lebe.

IMG_8546-1… Hotelfensterblick Irkutsk

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… wir sind im letzten Wagen IMGP1112-1

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… es sind nur schmutzigen Zugfenster, die kein Bildbearbeitungsprogramm wegkriegt

… eine gute Alternative zum Flugzeug. Sollte ich öfters tun!

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Samstags in Ulan- Ude

2014/02/02 2 Kommentare

Ankunft nach Neun. Eiskalt, irgendwas um Minus 21 Grad. Es sei warm, wird der Fahrer später sagen.

20140201_103649-1 KopieAuf der Fahrt in die Stadt Schneetreiben, ein Bagatellunfall, ganz normal also. Es ist wirklich eisig.

IMGP1032-1… Blick aus dem Hotelfenster auf den Bahnhof von UU
Ob die psychedelisch wirkenden Farben aus der Sowjetzeit bewusst eingesetzt wurden als Gegenstück zum Wintergrau? Oder waren sie einfach nur billig in der Herstellung?

Am Abend eine Party. Ein Fünfzigster wird gefeiert. UU ist Hauptstadt von Burjatien, die buddhistisch geprägte Republik östlich des Baikals. Die Nationalsprache ist burjatisch, kehlig, sehr an Mongolisch erinnernd.

IMG-20140201-WA0003-1

IMG-20140201-WA0009-1… es geht los mit Musik

Die Schönsten des Landes zeigen Mode

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20140201_192712-1Der Abend wird spät. Es gibt einige interessante Geschäftspartner kennenzulernen und auch ein paar Verbindungen zu Branchenkollegen aufzufrischen.

Kategorien:Russland Schlagwörter: , ,

Freitagabend, Sugardaddy, Flug

geht es wieder los.
Ich habe eine ruhigere Woche im Büro, gehabt, na gut, sagen wir, eine Woche ohne Dienstreisen ausserhalb von Moskau.
Die Sachen sind gepackt, die Tickets im Rucksack, der Koffer gepackt:
Ich schaue ab Freitagvormittag, ob ich wohl mit dem Taxi oder besser mit dem Aeroexpress nach SVO fahren würde. Letzteres ist sicher und schnell(er), aber wegen einer zweiten grossen Tasche eben auch unbequemer. Metro fällt aus, solange ich meine geklauten Dokumente noch nicht wieder ersatzweise bekommen habe … Ich habe Glück, nehme mein bestelltes Taxi und bin weit vor der Zeit am Airport.

Checkin schnell und wie immer. Die europäische Presse verunsicherte mit Meldungen wegen höchst langsame und aufwendiger Sicherheitskontrollen an Moskauer Flughäfen- ich habe nichts davon bemerkt. In der Lounge schlage ich die Zeit tot bis zum Abflug.
In der Nähe fällt mir ein ungleiches Paar auf. Sie ca. 40 Jahr jünger als er und hübsch, er offensichtlich finanziell gut ausgestattet (was ich anhand der guten Kleidung vermute). Er mümmelt die Cracker ein wenig zu sehr als dass er sie noch beißen könnte. Sie bedient ihn gerne. Und dann erklärt sie ihm ein triviales Spiel auf dem Tablet- PC, irgendwelche bunten Ringe verschieben. Er guckt, als ob er noch nie ein solches Gerät gesehen haben könnte. Fortan ist sie damit beschäftigt, ihm die Bedienung des Gerätes zu erklären.
Der Rest der Lounge- Besucher bemüht sich, innerhalb kürzester Zeit den Nachtflug- Alkoholpegel zu erreichen …

Wir heben schnell ab. Der Rest vergeht mit Schlaf. Auf mich wartet Ulan- Ude, mehr als 7 Stunden Flug und 5 Zeitzonen entfernt.20140131_205739-1 Kopie

 

Kategorien:Airlines