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Archive for November 2012

Shanghai 3

Sonntag ist Entdeckungstag. Ich will ein bißchen altes Shanghai sehen, bevor es ganz verschwindet. Früher war ich schon um den Southbund Spinning Market geschlendert. Schauen wir, wie es heute aussieht.

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… Strassenimbiss am Markt

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… Custom Suits- wahrscheinlich kommt mein Anzug auch aus solcher Schneiderei

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… die Neubauten nehmen immer mehr Raum ein

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… eine Art Crepe mit Gemüse drin

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… und hier Wäscherei

Degi Hari

… ein bißchen stimmungsvoller, aufgenommen mit der Zumi

Degi Hari

… Altstadtstrassen

Degi Hari

Degi Hari

Degi Hari

Degi Hari

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… Fundamente werden schon gerammt IMG_7817-11

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Shanghai 2

Samstag, die erste Nacht war noch ein bisschen wirr wegen Jetlag. Ich beschliesse, die Elektronikmärkte zu besuchen. Im Vorfeld hatte ich schon Warnungen gehört, nichts zu erwarten, da die Preise wegen des Wechselkurses höher als in D seien und zudem nur einfachere Spezifikationen verkauft würden. Ich wollte mir nur 2 Dinge anschauen, die berühmten billigen China- Tablets und Lenovos Palette, und ein paar Kabel und Stecker fürs Auto preiswert kaufen.

Der eine Markt ist Metro- City, an Metro- Linie 1 Xujiui, 111 Zhaojiabang Road, gewaltig, mehrere Etagen in eigentlich 2 Gebäuden. Apple- und Samsung- Geschäfte und – stände gibts mehrfach. Lenovo ist schon weniger vertreten. Die berühmt- berüchtigten China- Tablets finde ich schon mal gar nicht. Entweder gibt es sie in diesem Haus nicht oder sie sind gut versteckt. Kaufen lohnt absolut nicht. Der Wechselkurs treibt die Preise auf deutsches Nievau.

Der andere Markt ist Modern Electronic City HIER . Ein Ramschwarenhaus, mit allem, was man so brauchen könnte. Ich finde die in Russland benötigten Autokameras (Videoregistrator) für rd. 50 EUR. Ich besitze aber schon eine. Also kaufe ich 4 MicroUSB- Kabel und zwei USB- Autostecker für zusammen 5 EUR.

Den Rest des Tages verbringe ich mit einem langen Gang zu Fuss.

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… er fährt noch, der China- Smart

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… Statussymbol in einer besseren Wohnanlage

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… Seitenstrasse, Fahrradwerkstatt

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… chinesische Soccer Mom

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… Hof

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… Hof

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… nördlich des Bekleidungsmarktes

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… Hotelfensterblick

Shanghai 1

2012/11/23 4 Kommentare

Donnerstagabend, 22. November, SU208 ab Sheremetyevo SVO nach Shanghai PVG:

Ein nagelneuer Airbus der Aeroflot fliegt dem Morgen entgegen, runde 8 1/2 Stunden sollen es sein. Mit der Verspätung durch verzögerten Start werden wir mehr als 9 Stunden fliegen. Macht nichts, ich schlafe bestens.

Am Freitagmorgen Einreise freundlich und problemfrei. Der Drogen-/ Geld- oder sonstwas- Hund kontrolliert auf dem Band das Gepäck. Mein Koffer ist in Ordnung, ich bin schnell durch die Kontrollen.
MAGLEV, seit 2006 habe ich bei jedem Besuch den Magnetzug genutzt. Auch in 2012 ist er wie neu, ohne Abnutzungserscheinungen. Bei 301 km/h ist Schluss, die möglichen 412 werden uns nicht gegönnt.

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Sheraton Pudong ist das Standardhotel. Einchecken, Dusche und ab zum South Bund Spinning Market, dem grossen Bekleidungsmarkt. Mit der Metro bis Nanpu Bridge, dann zu Fuss keine 5 Minuten.

 Degi Hari

Degi Hari

Degi Hari

Degi Hari

Degi Hari

Bei Jason in der zweiten Etage bestelle ich einen Wintermantel, zwei Anzüge mit jeweiliger Ersatzhose. Die Preise sind ein wenig gestiegen- oder ich zu ungeschickt im Verhandeln. RMB 3600 sind am Ende fällig, 450 EUR. Ein wenig schuld ist der Wechselkurs. Waren es vor 2 Jahren noch 1:10, so hat die chinesische Währung ihren Preis um 20 Prozent auf 1:8 verbessern können. Mit dem alten Kurs passte auch meine Erinnerung. 110 bis 130 EUR waren früher für einen Anzug fällig.
Um die Ecke, bei Jennifer, bestelle ich eine Reihe neuer Hemden. Mit RMB 110 komme ich gut weg.

Die Überraschung wird eine Woche später kommen, wenn die erste Anprobe vereinbart ist.

Am späten Nachmittag mache ich einen Spaziergang um das Hotel. Auf einem Parkplatz etwas Seltsames:
Ein DJ hat eine Box aufgestellt zwischen den Autos, zu klassischer Musik wird getanzt.

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… wirklich seltsam

Der erste Tag endet mit der Erkenntnis, dass das Internet in China noch immer sehr reglementiert ist. Weder wordpress- Domains noch facebook oder youtube sind erreichbar. Also schreibe ich offline und werde erst nach der Rückkehr nach Moskau veröffentlichen können.

Keep on Truckin‘

2012/11/18 2 Kommentare

Dienstagflug nach Stuttgart, Übernachtung im familiären Schwanenhotel in Köngen- so die Buchung.
Mit dem Taxi fahren wir die wenigen km nach Köngen. Beim Aussteigen empfängt uns der würzige Geruch verbrannten Holzes. Eben so wie beim Lagerfeuer oder damals, als ich den Kachelofen in der elterlichen Wohnung noch mit einer halben Zeitung und zwei, drei Holzscheiten anheizen durfte. Wir geniessen Maultaschen, Spätzle und das Bier am Abend und gehen früh zu Bett. 3 Stunden Zeitunterschied zwischen Moskau und Deutschland sind zu spüren.

Am Mittwoch morgen holt uns Freund C. ab, wir fahren zum Truck Center gleich um die Ecke. Gleich gehts weiter nach Schwäbisch Gmünd, in die Filiale. Ein Sprinter wartet auf uns.

… nein, nicht dieser Allrad- Sprinter, der für die Presseleute bei der Rallye Aïcha des Gazelles du Maroc eingesetzt wurde. Diese Rallye ist Frauen vorbehalten. Soweit ist die Beste Ehefrau noch nicht, um sich da anzumelden. Ein gewisser Bezug ist trotzdem vorhanden. Wir haben einen gebrauchten Sprinter, Pritsche mit Plane und Spriegel, aus erster Hand, kein Baustellenfahrzeug, für ihr Transportgeschäft erworben.

Das Übernahmefoto haben wir vergessen.

Schwäbisch Gmünd- Dresden nehmen wir in Angriff. Nichts Besonderes. Der Sprinter sprintet. Einzig die Plane trommelt an die Fahrerhausrückwand. Das wird uns bis zum Ende der Fahrt nerven.

… Start in Schwäbisch Gmünd

… A9 Richtung Berlin. Ich bin früher diese Strecke gelegentlich gefahren. Den Ort Lederhose hat es sicher schon Jahrhunderte gegeben. Nie ist mir dieser Hinweis aufgefallen. Mir scheint, ein Thüringer Wirtzbold hat ihn nun als Gruss an die aus Bayern Richtung Berlin jagenden Autofahrer auf den Wegweiser gebracht.
Nach 549 km sind wir in Dresden angekommen.

Am Donnerstagmorgen wollen wir zeitig starten. Kurz nach Fünf geht es auf die Piste. Wir laden noch einen Laserdrucker als Selbstabholer in einem Verteilerzentrum ein. Eigentlich war er rechtzeitig bestellt, laut Amazon auch vorrätig. Nur bis zu unserer Abfahrt war er noch nicht angeliefert. Wir verlieren fast eine Stunde mit der Suche der Firma.
Der Morgen begleitet uns mit Nebel auf die Strecke Richtung Frankfurt/O.

3 1/2 Stunden später passieren wir die Grenze hinter Frankfurt/Oder. Die Autobahn lässt uns zügig bis Warschau fahren, unterbrochen durch Tank-, Kaffeepause. Der Sprinter mit 3,5 t benötigt noch keine Box, die Mautstellen in regelmässigen Abständen zahlen wir in bar und EUR.
Die Umfahrung um Warschau ist immer noch nicht fertig. Also müssen wir wieder an der Peripherie entlang, den Schildern und demNavi folgen. Später will uns das Navi wieder einmal narren. Hinter Bialystok fahren wir weiter die E67. Navi meint, die Strasse 19 wäre die Richtige, um nach Litauen zu kommen. Sie hätte uns jedoch durch Belarus geführt.
Das Fahren in der Dunkelheit wird zunehmend anstrengend. Als kurz nacheinander zwei Tanktransporter mit litauischen Kennzeichen mich überholen und zum Bremsen zwingen, beschliessen wir, schnellstens ein Hotel zu suchen. Sie überholen einzeln auf der Landstrasse, bei nahendem Gegenverkehr. Als die Zugmaschine gerade vorbei war, schaltetete der Fahrer Blinker rechts an und zog in meine Spur. Das wiederholte sich bei seinem Kollegen. Auf gleiche Weise, jedoch noch zackiger und schneller, geschah mein Unfall vor 6 Jahren. Bedarf an Wiederholung habe ich natürlich kaum.
Am Abend gegen 18:45 sind wir Augustow, am Ostrand Polens, den Schildern folgend, im Hotel Warszawa angekommen. Wir brauchen einen Parkplatz mit Bewachung, da ich keine Lust habe, den schweren Drucker abzuladen.
Abendessen, polnische Nationalküche, Fleisch in Brot, dazu ein Bier, Dusche, Bett- das reicht.

… Warszawa, der Lizenzbau des sowjetischen Pobeda, ist das Symbol des Hotels. Ob er unter der Plastikplane im Frühjahr noch immer gut ausschauen wird, bleibt zu bezweifeln.

Am Freitagmorgen geniessen wir das Frühstück, wohl wissend, dass ein langer Tag vor uns liegen wird. Wir durchqueren Litauen und Lettland und sind nach 572 km und 8 1/2 Stunden Fahrt an der Grenze zu Russland.

Wir hatten dort schon 2009 volle 10 Stunden auf lettischer Seite gewartet. Dieses Mal freuten wir uns, da wir in Sichtweite des Schlagbaums zur lettischen Abfertigung ankamen. Die Freude war leider zu früh.Die EU- Aussengrenze wurde wieder vorbildlich gesichert. Ohne jegliche Warteschlange schafften sie es, sich und uns 2 Stunden zu beschäftigen. Allerdings lag die Ursache auch im Rückstau durch die russische Abfertigung.
Auf russischer Seite liess man uns die Macht des Gesetzes spüren. Da die alten Sommerräder nicht zum Fahrzeug gehören, mussten wir auf die Waage fahren und die Räder einzeln verwiegen. Danach durften wir noch den original verpackten Drucker abladen und komplett auspacken, damit festgestellt wurde, dass sein Gewicht innerhalb der erlaubten Grenze liegt. Gut 6 Stunden liessen sie uns warten, bis sie wussten, wieviel Zoll wir zahlen sollten.
Nach deutscher Zeit um Mitternacht, in Russland also bereits 3 Uhr morgens, durften wir endlich Russland befahren.

Die Trasse M9 begrüsst den ahnungslosen Reisenden mit der vollen Kraft russischer Weite und Melancholie. In Deutschland würde der Grenzübergang vermutlich geschlossen werden, wenn sich die Strasse ins Inland in einem derartigen Zustand befinden würde. In Russland sieht man das gelassener. Ab und zu ein Schild mit Warnung vor Fahrbahnunebenheiten muss reichen.
Die russische Ferntrasse M9 ist in diesem Zustand auf den ersten 200 km ab Grenze. So war es jedoch schon vor 3 Jahren, als wir sie erstmalig befuhren. Es wird scheinbar überall ein bisschen gefräst, Unterbau gemacht, auch Asphalt eingebaut. Wahrscheinlich aber nur soviel, dass der Auftrag zur Behebung der Winterschäden für das kommende Jahr gesichert ist. In Dunkelheit sehr ungemütlich, da links und rechts meistens tiefe Gräben sind und, selbstverständlich, auch keine Leitplanken eingebaut sind. Wir verstehen, weshalb die Trucker alle an den ersten beiden Parkplätzen auf russischem Gebiet den Morgen abwarten.

Unterwegs in der Dunkelheit, am frühen Morgen, hielten wir am Fahrbahnrand, weil zwei Fahrzeuge mit Warnblinkern da standen und ältere Leute umher liefen. Ein völlig betrunkener Autofahrer hatte einem Fahrzeug aus Belarus den Spiegel abgefahren. Wir riefen die Verkehrsnotnummer 112 an, wurden an die Polizei 020 verwiesen. Deren einzige Frage war, ob es Tote gegeben hätte. Da dies nicht der Fall sei, können sie auch nichts tun. Als sie nach dem Standort fragten und meine Beste die GPS- Koordinaten durchgeben wollte, mussten sie ablehnen, da sie kein Gerät dafür hätten. Also fuhren wir schnell weiter, um aus der Zone des Betrunkenen zu kommen.

Zwei Mal fahren wir raus, um ein wenig Schlaf zu tanken. Bei aufkommender Helligkeit gibt es Frühstück und die Weiterfahrt.

Bessere Strassen und dichter Verkehr zeigen, dass Moskau nah ist. Gut kommen wir zu Hause an.

2.736 km in 3 1/2 Tagen waren lang. Alternativen gibt es wenige, die auch sinnvoll sind. Wenn ich ein Auto gebraucht kaufe in Deutschland bei Daimler, damit ich eine saubere Historie erwerbe, dann kann ich es auch selber überführen. Das nächste Mal muss ich es besser mit einem Transitvisum organisieren. Die Fahrt Anfang September war einfach entspannender.
Was ist noch zu tun:
–       Entzollung und Registrierung in Russland (das Auto haben wir heute zum Zollhof gefahren)
–       Fixierung der Plane an der Kabinenrückwand- Seite: Das Getrommel der Plane ab 80 km/h liess uns kein Radio hören und wurde mit der Zeit schmerzhaft. Da im Inneren der Pritsche eine Prallwand ist, muss es eine Möglichkeit geben, entweder die Plane direkt und indirekt durch eine grössere Platte an dieser Prallwand zu befestigen.

Und dann natürlich Geld verdienen mit dem Auto, damit der Fuhrpark schnell weiter wächst und meine Beste flexibler reagieren kann. Neben dem Gazellen- Sprinter standen da noch ein paar interessante Autos auf dem Platz …

Sprachgebrauch im deutschen TV, Natürlich Blond

Dienstagabend im Hotel in Köngen, nach dem Abendessen, mit schon schläfrigen Augen, klicke ich mich durch das Programm und bleibe bei Daniela Katzenberger hängen. Ihre Karriere haben wir seit ihrem verunglückten Model- Start bei den Auswanderern in grösseren Abständen verfolgt.

Dieses Mal sucht sie wohl ein Haus. Dass die Gute nicht weiss, dass es auch in ihrer Heimat kein Haus für 100 TEUR gibt, ist zu verschmerzen. Dass sie erstmal aufmalt, wie ein Haus für sie auszusehen hat, und das grösste daran ein begehbarer Schrank sein muss, ist unter die Rubrik Blond abbuchbar.

Aber dass die Regie des deutschen TV- Kanals Vox ungehemmte Fäkalsprache kultivieren lässt, finde ich äusserst erschreckend. Die Hunderttausend Euro könne sie sich nicht aus’m Arsch ziehen- war der Kommentar zum Preisniveau. Und so ging es munter weiter.

Einfach verwerflich.

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Gelesen: SPON 2012-11-13 Mobiles Büro

2012/11/13 3 Kommentare

Heute morgen drüber gestolpert und sofort der Zeiten gedacht, während der ich im Aussendienst durch Berlin und Brandenburg fuhr. Damals gab es festeingebaute Mobiltelefone, C- Netz, mit Basisstation im Kofferraum und Hörer mit Schnur an der Mittelkonsole. Später kamen die ersten Mobiltelefone, die Motorola- Knochen, gefolgt von Siemens S1. Dann, irgendwann um 194/95, bekam ich zum Testen einen mobilen Computer in einem Koffer, der, ganz luxuriös, mit einem Mobilfunkmodul ausgerüstet war. An guten Stellen konnte ich mich damit sogar ins Firmennetz einloggen. Leider musste ich ihn nach 4 Wochen wieder abgeben.

Mit jährlichen 60- 80 Tausend Kilometern war ich, ebenso wie meine Kollegen, gut unterwegs. Ein häufiges Thema war, wie wir das Auto in ein fahrendes Büro umbauen könnten. Respektvoll sah ich später, gegen 1998, in Florida ein mobiles Fax im Kofferraum eines Autos.

Dann änderten sich meine Aufgaben und damit auch die Anforderungen an ein Büro. Dann kamen die richtigen Handies und richtigen Laptops, die den Namen Schlepptopp nicht mehr verdienten. Heute sind Netbook, superleichte Notebooks, Tablet- PCs, Handies mit 2 SIM- Karten nicht mehr der Rede wert.

Umso erstaunlicher ist, dass der Zufallsfund eines solchen wackeren Aussendienstlers es bis in die Online- Ausgabe des Spiegels geschafft hat. Was ist daran so bemerkenswert, wenn einer seinen Arbeitsplatz, das Auto, entsprechend ausrüstet?
Ah, es passt nicht ins Bild des geregelt Beschäftigten. Vielleicht.

Mobiles Büro

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zu Fuss durch Moskau

Sonntag ohne Regen und Schnee- los gehts am 5. November, dem nachzufeiernden Feiertag. Früher war der 4. November der Tag der Oktoberrevolution, heute heisst er Tag der nationalen Einheit. In diesem Jahr fiel er auf einen Sonntag und deshalb auf den darauffolgenden Montag verlegt.

Mit der Metro fahren wir zum Puschkin- Museum für Bildende Künste (HIER mehr). Seit ein paar Wochen soll es eine bemerkenswerte Ausstellung zum Schaffen von Le Corbusier geben. Am frühen Morgen, so gegen 10:30, gibt es noch keine Schlange an Kasse und Garderobe. Moskau schläft lange.

… nicht von Le Corbusier, aber dennoch irgendwie schön: Tankstelle gegenüber der Erlöserkirche

Die Ausstellung ist sehr gut. Das einzige Gebäude, das nach seinem Entwurf in Moskau realisiert wurde, ist das CentroSoyuz- Gebäude (HIER). Interessant zu erfahren ist, dass er sich am Wettbewerb um den Bau des auf dem Grund der Erlöserkirche geplanten Kongress- Palastes beteiligt hatte. Grossartig anzuschauen sind die Entwürfe zum Wohnbau in Marseille, die Villa in der Schweiz und die Ferienhäuser. Toll die immerwährende Modernität der Liege und des Sessels. Neu hingegen war mir die dunkle Phase des Meisters, der mit dem Vichy- Regime zusammengearbeitet und einen Posten in der geplanten Nachkriegsregierung angenommen hatte (HIER). Irren ist menschlich, möchte man sagen.

… auch nicht von Le Corbusier, aber russische Alltagsromantik: Rote Wimpel aus Anlass des 100. Geburtstages des Museums und eine dicke gelbe Gasleitung am Eingang zum Hof eines Museums- Nebengebäudes

… beim Verlassen des Museums haben sich innen und aussen bereits Schlangen gebildet. Ja, früher Vogel fängt den Wurm- auch wenn 10:30 wohl nicht als früh bezeichnet werden darf an einem freien Tag.

Eigentlich wollen wir in den Gorkipark. Beim Überqueren der Brücke Krymskiy Val stellen wir fest, dass wir besser zur ehemaligen Schokoladenfabrik „Roter Oktober“ gehen sollten.

… das Standbild Peters des Ersten, eine der weniger cleveren Ideen des früheren obercleveren Moskauer Bürgermeisters Lushkov. Dem Inhalt nach gehört es nach SPb, war aber eigentlich ein Denkmal für Kolumbus, das niemand mehr haben wollte. Und so kam dieses für seinen Schöpfer Tsereteli (HIER) recht typische Werk an diesen Standort.

… am 4. November marschierten hier die vereinten Nationalisten entlang. „Bewaffnet = Frei“ und gegen den Extremismus- Paragraphen 282 gerichtete Schilder aus gutem Material wollte wohl keiner mehr mit nach Hause nehmen. Ein Stück weiter lesen wir an einer Hauswand „Rus ohne jüdischen Nazismus“. Die Polizei sprach von 6.000, die Veranstalter von 20.000 Teilnehmer. Im FOCUS – Onlineartikel wird wenigstens auch Navalny erwähnt, der von den Medien in Europa so gerne hoch stilisierte Oppositionsführer mit recht nationalistischen Losungen.
Egal, wie viele daran teilnahmen, es war mindestens einer zuviel.

… die ehemalige Schokoladenfabrik „Roter Oktober“ wurde teilweise umgebaut, teilweise einfach nur nutzbar gemacht. Medienfirmen, Designer, Ausstellungen und Klubs sind in die alten Hallen gezogen. In einem Teeladen nehmen wir einen sehr guten Tee Latte. Wir sind die einzigen Gäste an diesem trüben Montag und schwatzen mit dem Inhaber. Den Mietpreis von jährlichen 1.000 EUR pro qm (also rd. 83 EUR pro qm monatlich) nennt er moderat.

Die Ilya- und- Emilia- Kabakov- Ausstellung in der Red October Gallerie besuchen wir. Die Installationen „Denkmal einer vergangenen Zivilisation“ sind nur als Modell zu sehen und, ehrlich gesagt, sehr verwirrend. HIER gibts was über die Beiden zu lesen.

… Farbenrausch. So wie gesehen, ohne Nachbearbeitung!

Ein paar Bilder, aufgenommen mit der Harinezumi:

… gut war´s.

Wegen des drohenden Regens flüchteten wir in die Metro Lenin- Bibliothek und fuhren heimwärts.