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Archive for Oktober 2012

Der Winter

2012/10/31 8 Kommentare

… ist da. Pünktlich zm 30. Oktober wurde es kalt, am 31. Oktober wich der Eisregen erstem Schnee.

Nun ist es nicht gerade originell, deshalb zu lamentieren. Dies überlasse ich lieber den jährlich aufs Neue überraschten Mitarbeitern der Winterdienstbetriebe nicht nur in Moskau, die ausgerechnet in diesem Jahr mit so einem frühen Einbruch mit solcher Intensität usw. usw.  überhaupt nicht rechnen konnten usw. usw.

Winter in Moskau heisst graue Strassen, Dunkelheit, Dreck, Lauge und Salz, dunkel gekleidete Menschen in üblicher Hast.

Winter in Moskau heisst aber auch strahlend blauer Himmel, Eiseskälte, Kälteknirschen bei jedem Schritt, klare Luft, alles zudeckender Schnee, Eislaufen im Gorkipark und auf dem Roten Platz, Snowboarden ausserhalb, Frauen in Pelzen. Der Herrnhuter Stern liegt schon bereit, um in 4 Wochen im Fenster zu leuchten. Die Visa- Einladungen sind beschafft, den Weihnachts- Baum finden wir auch vor dem eigentlichen Verkaufsbeginn, sodass einem Jahreswechsel in Moskau nichts mehr entgegen stehen sollte.

Und deshalb freue ich mich auf die neue Jahreszeit.

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2 Flugtage, Zeit zum Lesen

2012/10/22 2 Kommentare

Samstag: Berlin- Moskau
Sonntag: Moskau- Baku

Weshalb macht man sowas? Das Visum konnten nicht schneller in den Pass geklebt werden. Also musste ich mit einem Pass aus- und wieder einfliegen, während der andere Pass in der azerbaijanischen Botschaft zur Bearbeitung lag.
Flugzeit ist zum Schlafen und Lesen da. Was bietet die Presse an Erwähnenswertem in dieser Zeit der Euro- Rettungsschirme, griechischen Kanzlerinnen- Vergleiche, der  und Kanzlerkandidaten- Mitteilungen?

… eigentlich nur allzu logisch im Land der ökosteuergetriebenen Benzin- Preisspirale, der Besteuerung von Rentnern und der Erhöhung der Strompreise wegen des Atomkraftausstiegs: Die Steuerfreigrenze für Geschenksendungen von Soldaten im Afghanistan- Kriegseinsatz an ihre Liebsten daheim liegt bei 45 EUR. Darüber hinaus gehende Geschenke müssen von den Empfängern versteuert werden. Es ist nur allzu gerecht, dass Skandälchen entstehen, weil irgendwer mit einer Luftwaffenmaschine einen Teppich von der Staatsreise mitgebracht hat. Aber kann es sein, dass der Finanzminister das Augenmass verloren hat? Was kriegt man heute für 45 EURO zu kaufen? (BZ, 20. Oktober 2012, S. 2)

… Die Meldung hat es wenigstens auf die Titelseite der Welt am Sonntag, 21. Oktober 2012, gebracht. Gibt es sowas? Kann es sowas geben? Da warnen Politiker nur vor „tickenden Zeitbomben“? In Deutschland werden Millionen ausgegeben für Steuersünder- CDs, Daten abgeliefert von illegalen/ halblegalen Downloadern zwecks Strafverfolgung,kontrollieren Ordnungsämter Hundehalter auf mitgeführte Tüten und verhängen Geldbussen, sehen fleissige Russlandkenner gar eine Revolution aufziehen. Und keiner will sich aktiv um den rechten Rand der Gesellschaft kümmern? Nur warnen, nur beobachten und, wenn „es“ wieder passiert ist, eine lustige Lichterkette bilden? Oder gar mit starken Worten Drohungen aussprechen, wie jüngst in Lichtenhagen?

Was ist das nur für ein Land? Mehr als 11 Jahre „draussen“ machen vielleicht nur empfindlicher, aber manchmal bin ich froh, genügend Abstand zu haben …

Männerabgabe

2012/10/15 2 Kommentare

In Dresden herrscht ein reger Kampf um die Kunden zwischen der Altmarktgalerie und der Centrums- Galerie. Beide sind nur einen Steinwurf voneinander entfernt. Na gut, ein bisschen mehr, jedoch weniger als einen Kilometer trennen sie.
Die Altmarktgalerie war zuerst da, wurde gewaltig erweitert und ist regelmässig brechend voll. Es ist der Mix aus Geschäften, Imbiss und Restaurants, die den Erfolg wohl ausmachen.
Die Centrums- Galerie wurde auf dem Grundstück des alten Warenhauses in der Prager Strasse gebaut. Von Anfang an ging irgendwas schief. Um einen riesigen Innenhof, Atrium, reihen sich auf 3 Etagen die Geschäfte an viel zu breiten Laufflächen. Sie sind deshalb von Weitem schwer einsehbar. Das Management wechselte mehrfach. Nunmehr wird umgebaut, um den Anfang zu finden.

Aber eines hat ein cleverer Manager erkannt. Es wurde eine Männerabgabe- Station eingerichtet. Mit Tischfussball, TV, Kissen zum Ausruhen gibt es in der 2. Etage eine Oase für all jene, denen Einkauf ein Greuel ist. Nun fehlt nur die Anordnung der Fachgeschäfte für Damen- Bekleidung, – Schuhe, – Unterwäsche, – Kosmetik  in Sicht- und Rufweite und der Erfolg sollte nicht ausbleiben.

… vielleicht kann auch der richtige TV- Sender, dmax, eingestellt werden. N24 ist zwar akzeptabel, für die angepeilte Zielgruppe wären Geschichten um Neu- und Gebrauchtwagen, Tuning, Customizing, Schrottplätze, Fischen ganz bestimmt interessanter.

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Wandern im Erzgebirge

Es klappt, ich kann den Flug nach Deutschland schon am Samstag nehmen und komme rechtzeitig an, um an der lang geplanten Wanderung mit Freunden zu den Tissaer Wänden teilzunehmen.
Von Dresden aus auf die neue Autobahn Richtung Prag, weiter durch Pirna, Dörfer fahren wir bis kurz vor die Grenze. Im letzten Ort vor der Grenze, Rosenthal- Bielatal, parken wir die Autos.

Nach rund 10 km bergauf und 2 Stunden sind wir an der Touristenbaude auf der tschechischen Seite. Deftige böhmische Hausmannskost und Bier gleichen die abgelaufenen Kalorien schnell aus. Den Blick in die felsige Landschaft gönnen wir uns, dann geht es wieder rückwärts. Der Wald riecht nach Pilzen, die Luft ist frisch. Ein schöner Tag!

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Verrückter Donnerstag

2012/10/12 2 Kommentare

Vor der abendlichen Heimfahrt ist es immer ratsam, den Staudienst der russischen Suchmaschine yandex.ru zu kontrollieren. 10 gemeldete Unfälle auf „meiner Strecke“, die kleinen runden Zeichen auf dem Dritten Ring, dazu die rote Lampe auf der Webseite, dass die Stadt steht. Irgendwie muss ich trotzdem nach Hause. Schliesslich ist das Büro nicht zum Schlafen da…

Am Vortag war es schon nicht besonders leer gewesen, was einen Cowboy veranlasste, den Verkehrsraum effektiver auszunutzen

… wozu brauchen Fussgänger überhaupt einnen so breiten Bürgersteig? Wenn die Autos darauf schon parken, können sie eigentlich auch gleich darauf fahren. Oder? Nicht, dass der Fahrer anschliessend in unsere Schlange gedrängelt wäre. Er fuhr weiter auf dem Gehweg, um die Ampelkreuzung elegant zu umgehen, und reihte sich dann in Höhe des grossen weissen Billboards auf den Dritten Ring ein.

Ich bog schliesslich ab, da sich der Stau auf dem Ring wie angekündigt bereits in die Zubringer- Strassen ausgedehnt hatte. Nach ungezählten stop- and- go war ich schliesslich nach 2 Stunden daheim. Frühmorgens, wenn alles noch schläft, benötige ich 20 Minuten für die gleiche Strecke.

Unvorstellbar, in diesen Verhältnissen einen Arbeitsplatz in der City und ein Zuhause ausserhalb zu haben. Für den täglichen Stress kann kein Birkenwäldchen entschädigen.

Kategorien:Auto, Moskau, Verkehr

Gelesen: Der Spiegel, 39/24.09.2012

Wieder einmal kam eine Wahrheit ans Licht, dank der Analysen des Historikers Jan Foitzik:
Antifaschismus, Bruch mit dem Gewesenen, Widerstand gegen die Nazis, Ernst Thälmann´s Spitzname Teddy, Partisanen und Widerstandskämpfer waren die Schlagworte gewesen, mit denen ich und mehr als eine Generation in der DDR erzogen wurden.
Wie jüngst in Görlitz, so zeigt auch dieser kleine unscheinbare Verweis auf ein Buch die Notwendigkeit der Beschäftigung mit der Vergangenheit. Vieles war nicht so, wie es schien oder hätte sein sollen. Die Jahreszahlen liegen weit vor meiner Geburt. Die Gezählten waren jedoch nicht im Rentenalter bei der Erhebung.

„… Bereits von 1946 habe die SED demnach Ex- Nazis aufgenommen- als erste deutsche Partei nach dem Krieg. … Noch 1954 waren 32,2 Prozent aller Angestellten im Öffentlichen Dienst der DDR ehemalige Mitglieder nationalsozialistischer Organisationen …+

… und ganz bestimmt nicht alle waren während ihrer Kriegsgefangenschaft zu Kommunisten oder Sozialisten gworden … Danke. Herr Foitzik, für diese Analyse!

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Gelesen: Eine Liebeserklärung (… an Moskau)

HIER

… eine ausgebildete Journalistin, für ein Jahr in Moskau, hat einen wundervollen Blog geführt und, offenbar als Schlusswort, eine Liebeserklärung an diese Stadt geschrieben. Sie endet mit den Worten

… Na dann fahrt doch nach St. Petersburg, spaziert zwischen den bonbonfarbenen, zuckersüßen Häuschen umher, lasst euch von den Fahrradfahrern über den Haufen radeln und schaut den Brücken beim Hoch- und Runterklappen zu. Aber lasst mir mein Moskau…

Spüre ich in diesen trotzigen Worten etwa Traurigkeit? Wegen der Abreise ? Zum Trost gibt es die Gewissheit, dass jeder kommen kann, in diese verrückte Stadt voller Lärm, Dreck, Geld, grossen Autos, schönen Mädchen, Bettlern, Strassenmusikanten, ungeheurem Reichtum, hoch aufragenden oder versteckten goldenen Kuppeln, von allem etwas Zuviel und von vielem Zuwenig.  Diese Stadt ist gerade 3 Stunden von Frankfurt Airport entfernt und doch so weit. Die schiere Grösse kann erdrücken, die fehlende Ruhe den Nerv rauben- es ist eine Metropole mit Parks und Hinterhöfen, mit Gassen und Plätzchen, die zu entdecken lohnt. Moskau, wo ich inzwischen gerne auch zu Hause bin.

Kategorien:Gelesen, Moskau