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Archive for September 2012

Deutsches Weinfest Moskau 2012

Am Samstag war das deutsche Weinfest auf der Gelände der deutschen Botschaft in Moskau. Angekündigt per mail, auch auf der Seite der Botschaft HIER . Ordentlich sollte es sein, man musste sich registrieren.
Am Eingang erhielt jeder Besucher ein kleines Täschchen, um den Hals zu hängen, mit zwei Gutscheinen a 100 RUB drin.

Was war interessant?

– Baden, Mosel, Pfalz, Rheingau hatten ihre Weinprinzessinen entsandt, jede Menge Weine dazu. Alois und die Belegschaft des Botschaftsrestaurants boten Bratwurst und Leberkäs an. Schade, dass die Elbweine und das Unstrut- Tal nicht vertreten waren. Den Elbling aus dem Moseltal konnte ich auch nicht finden- mein bevorzugter Wein.
– Nach den ersten Gläsern konnten Gutscheine erworben werden. Bis zu 300 RUB  kostete ein Glas Wein, allerdings nur die mehrfach Prämierten. Durchschnittlich wurden 100 RUB fällig, ein durchaus annehmbarer Preis.
– Weinkenner der verschiedensten Art: Professionelle Kenner waren da mit Listen und geschultem Blick, ewig kreiselndem Wein in der Hand, schniefend und schlürfend verkostend mit heimlicher Wasserflasche in der Innentasche die Pausen verbringend. Daneben gab es die Nachahmer, die eigentlich nur die Schlangen verlängerten. Geniesser stelten die Mehrzahl der Gäste.
– Mädchen und Frauen: Es gab sie in Fülle, wobei ich nicht die Ehefrauen und Begleiterinnen der Gäste meine. Ältere Deutschlehrerinnen und Germanistinnen, respektvoll begrüsst, ihre jungen Studentinnen, Mädchen im 1., 2. und 3. Frühling auf dem Quasi- Laufsteg und auf der Jagd- die Schönheit der russischen Frauen war nicht zu übersehen. Ob mit tief ausgeschnitten Kleid oder dem unvermeidlichen Tigerlook, mit wallender roter Mähne oder mit jenen schönen östlichen Gesichtszügen, die der Gang Chingis Khans durch die Welt hervorgebracht hat (oder auch nur die Nationalpolitik der Sowjetunion), sie waren nicht zu übersehen.

Ein schöner Nachmittag.

… und die Musi spielt dazu

 

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Kategorien:Moskau Schlagwörter: ,

Gelesen: SpiegelOnline 2012-09-20

Nachtrag zum jüngst GELESENEN in der Sächsischen Zeitung:

BGH-Urteil
Post muss NPD-Wurfsendung austragen

…. Die Post hatte sich darauf berufen, dass es sich beim „Klartext“ um eine nicht adressierte Postwurfsendung handele, die folglich nicht als Zeitschrift zu bewerten sei. Nach einer EU-Richtlinie sei die Post nicht zu deren Verteilung verpflichtet……

Ob sich deutsche Politiker und Demokratieverteidiger nicht besser mit dem eigenen Land als mit vermeintlich anstehenden Revolutionen in Russland beschäftigen sollten?

Kategorien:Deutschland, Gelesen

Videoregistrator

2012/09/19 4 Kommentare

… so heissen die neuesten Gadgets, die in russischen Autos installiert werden. Mein Taxifahrer empfahl mir jüngst einen, um meinen Führerschein zu schützen. Im Fall eines Unfalls sei eine solche Kamera unverzichtbar, im Falle des Kontakts mit der Ordnungsmacht disziplinierend und geldsparend.
Ich bekam eine geschenkt von meinen Arbeitskollegen. Die Kamera hat GPS, eingebaute Radar- Warnansage, zeichnet die Uhrzeit und die Geschwindigkeit auf und ist klein genug, um nicht zu stören.
Gestern hatte ich quer durch Moskau zu tun. Nach Arbeitsschluss musste ich ein Mal ins Uhrengeschäft. Danach, weiter in der gleichen Richtung, wollte ich noch den Vertrag über Internet und Telefon für die neue Wohnung abschliessen. (Ja, is‘ nich‘ mit online- Bestellung. Der Pass muss vorgelegt, das Gesicht gezeigt werden.) Danach gings wieder heim.

Was ist auf dem VIDEO?

– Abbiegen vom Gartenring in eine Abfahrt, wo es zwar keinen Parkplatz, aber viele geparkte Autos gibt
– ein Fussgängerübergang mit Tücke
– Linksabbiegen aus 3 Reihen, wo nur eine ist
– ein Motorrad- Stunt auf mittel befahrener Chaussee
– Rechtsabbiegen aus zwei reihen, Sperrflächen werden mit genutzt
– eine vorhersehbarer, deshalb ausgebliebener  Zusammenstoss mit einem Streifenwagen, der sich nicht um Vorfahrtsregeln kümmert

Was Besonderes? Nein, russische Standardsituationen.

Kategorien:Auto, Verkehr Schlagwörter: ,

Deutsches Strassenfest im Gorkipark, Malevich und ein Lada

2012/13 ist Deutschlandjahr in Russland, das Goethe- Institut berichtet darüber HIER. Am Samstag und Sonntag ist das deutsche Strassenfest im Gorkipark. Am Samstag wird geschafft, am Sonntag erholt.

Wir gehen hin. Der Himmel bewölkt sich zusehends. Ich folge der Nase und, richtig, es gibt einen Grillstand.

… die Schlange ist lang, ich reihe mich ein

… die Grillmeister bei der Arbeit
Steak und echte Nürnberger Grillwürste sind im Angebot- herrlich. Mehr brauche ich heute nicht.

… Strassenkünstler sind da, auf der Bühne müht sich ein Moderator, die Zeit bis zum Auftritt einer russischen Band abzukürzen und Graffitti- Künstler haben eine Wand verziert.
Es nieselt bald, wir beschliessen zu gehen.

… eine der vielen Statuen im Park

… nahe des Ausgangs wird ein Clip gedreht, den Ballettszenen folgt eine Szene mit einem Boden Liegenden und einem herbei gerufenen Weisskittel

In der gegenüberliegenden Tretyakov- Galerie ist gerade eine Ausstellung von Bildern und Zeichnungen von Malevich, Suetin, Chashnik. Die Liechtensteiner Speherot- Stiftung hat einige Objekte zur Verfügung gestellt. Ein bisschen klüger verlassen wir diese schöne Schau wieder und fahren nach Hause.

Eine ganz andere Art von Kunst haben wir vor uns auf der Strasse

… Lada- Tuning

Ein schöner Sonnenuntergang beendet den Tag

 

Gelesen: Sächsische Zeitung 2012-08-27

20 Jahre Lichtenhagen wurde gedacht. Lichtenhagen? Das war jener Mob, der in einem Rostocker Neubauviertel mit Molotox- Cocktails ein Wohnheim der vietnamesischen Vertragsarbeiter in Brand gesetzt hat. Die Bilder der um Hilfe rufenden Vietnamesen, die sich dann aufs Dach flüchten konnten, und die pogromähnliche Stimmung vor dem Block werde ich nicht vergessen. Dies war eine Schande für das gesamte Volk des Ostens, das erst knapp 3 Jahre zuvor den Westen gestürmt hatte und das Begrüssungsgeld bei Aldi und Woolworth umgesetzt hatte.

Eine Chronologie der Ereignisse ist u.a. bei Wikipedia nachzulesen.

Umso erstaunlicher sind dann so starke Worte, die ich in der SZ lesen darf

Wo ihr auftretet, werden wir euch im Weg stehen.
Demokratie muss wehrhaft sein und darf sich das Gewaltmonopol nicht aus der Hand nehmen lassen.

Kluge Worte des deutschen Bundespräsidenten Gauck im Jahr 2012.

Und auf der gleichen Seite steht als Überschrift zu einem Artikel über Ermittlungsergebnisse zur Neonazi- Terrorzelle NSU

Polizist soll Neonazis gewarnt haben
Akten legen nahe, dass ein Beamter dem Umfeld der späteren NSU- Mörder Informationen steckte

Was mag ein gut integrierter Immigrant mit asiatischem Aussehen oder dunklem Teint fühlen, wenn er diese Seite der Zeitung aufschlägt? Das Wort Heuchelei wird er vielleicht im Wörterbuch nachschlagen müssen, aber nicht mehr vergessen.

 

Kategorien:Deutschland, Gelesen Schlagwörter: , ,

nach Hause (fast) gerade aus

10.09.2012
0 km  07:30 ab Frankfurt/O.
–> zu empfehlen für die Übernachtung auf deutschem Gebiet: Ramada Hotel im Nirgendwo (trotz stolzer Frankfurter Adresse), DZ 79 EUR inkl. gutem Frühstück ab 06:30
–> die Autobahn geht durch, gegen 09 hr passieren wir Poznan (immer mit ca. 20 km/h über Limit, der Tempomat übernimmt)
–> rd. 20 EUR zahlen wir an Mautgebühren
–> Warschau macht wie immer Freude. Die Trasse nach Terespol muss bald fertig sein, da sie bereits durchgestrichen ausgeschildert ist. Ein kurzes Stück Autobahn gibt es noch, dann kommt die Landstrasse.

680 km  15:00 an Grenze PL/ BY
–> auf polnischer Seite gibts eine Einweisung, welche Schlange zu benutzen ist. Der Grenzbereich ist fast leer, fast nur BY- Autos. Wiederum eine sehr gewissenhafte Prüfung, selbst die Motorhaube ist zu öffnen, damit die Fahrgestellnummer mit den Papieren verglichen werden kann. Gewünscht wurden grüne Versicherungskarte und TekhPassport.
–> nach 1:15 geht der Schlagbaum nach oben. Wir haben inzwischen verstanden, dass das Nadelöhr nicht nur die personelle Besetzung und die aufwendige Datenprüfung sind, sondern die TaxFree- Abfertigung nach dem polnischen Schlagbaum. Also verzichten wir auf 30 EUR Rückerstattung fahren lieber weiter.
–> auf BY- Seite ist der grüne Korridor zu nehmen, ganz rechts, solange man nichts zu Verzollendes dabei hat. Wir sehen Geschirrspüler und ähnliches in BY- Autos, die im roten Bereich landen. Die Abfertigung ist wiederum problemlos, ein kurzer Blick in den Kofferraum und in das Handschuhfach sowie eine Frage zu Alkohol und Zigaretten genügen. Nach exakt einer Stunde sind wir durch. Wichtig: Das BY- Transitvisum wird sehr aufmerksam studiert. Die Migrationskarte ist identisch mit der russischen, wird allerdings mit den Daten des Transitvisums ausgefüllt.

828 km  19:00 Uhr MESZ bzw. 20:00 Uhr Minsker Zeit an Hotel Pristan
–> das erste Hotel nach Brest. Es gibt ein DZ für 1600 RUB, vernünftiges Essen, georgischen Wein- und viele, viele Mücken aus dem nahen See. Der Navigator bietet kein weiteres Hotel vor Minsk an. Bis dahin will ich jedoch an diesem Tag nicht mehr. Adresse: 225256, Ивацевичский р-н, Лесная 17, д Яглевичи
Wer weiter will, kann es auch im Westa- Hotel im Minsker Obl. versuchen, links der M1.

11.09.2012
828 km  08:35 Moskauer Zeit bzw- 07:35 Minsker Zeit ab Pristan
–> es zieht sich. Die Autobahn ist ziemlich leer, selbst LKW sind kaum unterwegs. Mit russischem Kennzeichen muss ich zwar anhalten, aber nichts bezahlen an den Mautstationen.
–> Tanken macht wieder Freude.

1.296 km  12:30 an Grenze BY/ RUS
–> die Strasse wird deutlich schlechter, der Verkehr dichter, die Gewohnheiten schlechter
–> kurz vor Moskau, nach Gagarin, Grossraum Skolkovo, kann man Grosses erahnen: die Trasse wird beinahe europäisch ausgebaut

1.729 km  18:10 an MKAD
–> wir sind fast daheim, Moskau hat uns wieder mit seinem Verkehr

1.745 km  19:01 an Wohnung
–> die 16 km stadteinwärts, gegen die Feierabend- Staurichtung, schaffen wir in 50 Minuten

Fazit:
1.745 km in 22 Stunden Fahrzeit inkl. 2 Mittags-, mehreren Kaffee- und 2:15 Grenzpause, zuzüglich 9:30 Nachtruhe
Immer wieder würde ich mir das BY- Transitvisum holen und bis zur Fertigstellung der Südroute auch die E30 bis Frankfurt/O. nutzen.
Wenn man gut drauf ist und keine Rücksicht auf Mitfahrer nehmen muss, kann man sicherlich auf das Hotel verzichten und mit Parkplatznachtruhe schneller das Ziel erreichen.

… und wenn dann irgendwann mal die Autobahnen bis an die BY- Grenze reichen und vielleicht sogar in Russland das Strassenbauprogramm beendet sein wird- dann könnte man fast bequem mit dem Auto von hier nach da fahren. Vorausgesetzt, es gibt noch Diesel an der Säule für unter 5 EURO …

Ich bin in den vergangenen 20 Tagen 5.920 km gefahren, habe 652 Liter Diesel verbraucht, also durchschnittlich 11 l/ 100 km, der niedrigste Preis waren 26,50 RUB an der russischen Trasse (rd. 0,65 EUR), den teuersten Diesel musste ich an der A9 tanken für 1,599 EUR/l.

Kategorien:Auto, Deutschland, Reise, Russland Schlagwörter: ,

Einmal Volltanken, bitte!

2012/09/09 2 Kommentare

…. sagte mein Vater früher, wenn er an die Tankstelle fuhr, die Scheibe herunter kurbelte und der Tankwart nach dem Begehr fragte.

 

… eben irgendwo in Deutschland. Ich habe den Tank voll gefüllt, um auf der langen Etappe nicht unnötig abfahren zu müssen. 73 Liter Diesel für 114 EUR, nachdem ich eine Weile die billigste Tankstelle gesucht hatte. Viel mehr Reserve hatte ich auch nicht mehr, um noch weiter zu suchen.

Nun muss es ja kein Auto mit einem cw- Wert einer Schrankwand sein. Gut, akzeptiert, selber schuld. Ein netter Passat wie jüngst gefahren könnte es auch tun, würden wir in Deutschland und nicht im lange winterlichen und schlaglochreichen Russland wohnen. Der brauchte dann auch nur rund 6 Liter bei defensiver Fahrweise. Dies ergibt einen Kilometer- Dieselverbrauch von 0,06 l , in Geld an der obigen Billigtanke also runde 9,5 Cent. Nicht viel, könnte man meinen. Doch was ist 1 Kilometer?
Ich pendelte vor 15 Jahren in Deutschland zur Arbeit wie so viele andere auch, die längste Strecke waren 180 km pro Tag. Da wäre ich heute mit dem sparsamen Passat TdI mit 16,94 EUR täglich oder 84,73 EUR wöchentlich oder 328 EUR monatlich dabei. Alles ohne Steuer und Versicherung und Kundendienst und Pflege, wohlgemerkt.

Die Deutsche Bahn ist keine Alternative. Anders als in der Schweiz mit dem in jedes Tal reichende Bahnnetz ist das der DB nicht gut ausgebaut. Eine Bahnfahrt zum Beispiel von Grimma nach Meissen lehrt das Fürchten, wenn man aus dem Fenster auf die aufgegebenen, versifften Bahnhöfe und Haltepunkte schaut. Da hilft auch der schöne neue Nahverkehrstriebwagen nicht hinweg.

Wohin geht Mitteleuropa, frage ich mich als Irgendwann- Pensionär? Darf ich das Autofahren jetzt noch geniessen, weil ich es mir dann nicht mehr leisten darf? Wie mobil bleibt Deutschland? Wie flexibel sind die Deutschen, der Arbeit wegen Zweitwohnsitze, Wochenendfamilien und Umzüge als normal zu empfinden?

Schade, dass der Satz meines Vaters „Einmal Volltanken, bitte“ wohl in nicht allzu ferner Zukunft ins Märchenbuch gehören wird- wenn sich nichts ändert.

Kategorien:Auto Schlagwörter: