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Archive for Juli 2012

Englisch nebenan*

2012/07/26 2 Kommentare

… Strassenwerbung mit Schablone und Spray ist nichts Besonderes. Hier macht eine Sprachschule Reklame, heute morgen gefunden:

… ein bisschen Spass muss sein …

*EDIT: Englisch nebenan mit der dazugehörigen Telefonnummer ist auf dem blauen Pfeil geschrieben … So ist´s, wenn Einer betriebs-, nein sprachblind wird und denkt, dass alle Leute Russisch lesen können …

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Kategorien:Architektur, Moskau Schlagwörter:

Deutschland in diesen Tagen

2012/07/21 4 Kommentare

Donnerstag morgen, Taxi steht um 04:45 auf der Strasse, Domodedovo ruft. In Frankfurt Umsteigen, weiter zum Meeting, am späten Nachmittag mit dem Mietwagen nach Berlin. Am Abend im Tony Roma’s die normale Portion Baby Back Spare Ribs, Maiskolben, ein grosses Berliner dazu- das Leben ist schön.

Am Freitag einmal quer durch Berlin. In Weissensee hat ein Fahrer die Gewalt über seinen Ford verloren und ist quer über den Bordstein bis kurz vor ein Schaufenster gedonnert. In Höhenschönhausen nimmt Einer dem Anderen die Vorfahrt und erzeugt Blechschaden.
… fast wie in Moskau.

Auf der langen Autofahrt höre ich Radio. Im Kontext mit den Pressemeldungen von Donnerstag und Freitag gewinne ich ein seltsames Bild von Deutschland in diesen Tagen.

Ein Gericht verbietet die Beschneidung von Jungen aus religiösen Gründen. Die Diskussion um die Vorhaut wird breit ausgetragen, eskaliert und erzeugt Kommentare von allen Seiten. Die Presse auf dem Herflug habe ich schon geniessen dürfen. Der Bundestag beschliesst, dass eine Gesetzesänderung im Herbst eingereicht wird, womit die Vorhaut wieder aus religiösen Gründen gekürzt werden darf.
Wohlgemerkt, wir reden hier nicht von weiblicher Genitalverstümmelung oder von Schönheitsnarben auf afrikanischen Gesichtern, von Zwangsheiraten türkischer Mädchen. Wir reden auch nicht von einem Verbot der moslemischen Gerichtsbarkeit, die in Deutschland praktiziert wird und auch nicht von jenen Ehrenmorden, die von deutschen Gerichten nur nachsichtig verfolgt werden, da ein anderes Recht zugrunde zu legen sei.
Wir reden von einer harmlosen Operation, wenn sie fachgerecht ausgeführt wird, die auch medizinisch begründet an deutschen Jungen durchgeführt wird.

Ich muss an das kürzlich gelesene „Vergesst Auschwitz“ von Henryk M. Broder denken. In diesem Kontext könnte ich ihm sogar folgen und dem Gericht in Köln einen gewissen Antisemitismus und Antiislamismus unterstellen. Weshalb? Deutsche Gerichte schaffen es nicht, rechtsradikale Parteien und Demonstrationen zu untersagen. Für ein Urteil zur Vorhaut von Juden und Moslems reicht es aber.

Ich muss auch mal tanken. Der tolle, neue Opel Insignia, den ich dieses Mal bekommen habe, hat einen sehr verbrauchsarmen 1,4- l- Benzinmotor. Laut Anzeige werden 6,9 l/ 100 km verbraucht. Nicht schlecht für ein Auto dieser Grösse, denke ich. An der Tankstelle in Berlin schaue ich auf die Preise und erschrecke wieder: 1 Euro 65 Cent kostet ein Liter Benzin! 100 km kosten also 10,07 EUR mit diesem Auto. Im Jahre 2002 kostet der Liter Super um 1,04 HIER . Damalige Autos dieser Klasse brauchten für vergleichbare Fahrleistungen um 9 Liter/ 100 km, folglich musste der Fahrer 9,36 EUR für Kraftstoff ausgeben.
Weshalb beschäftigt sich kein Gericht und kein Bundestag mit dem realen Kaufkraftverlust der deutschen Arbeitnehmer?

Eine grosse Empörung geht quer durch die Nachrichten, weil ein Implantationszentrum nicht berechtigten Patienten Spenderorgane zugeteilt hat. Unter ihnen war auch ein Russe. Kostenlos wird das nicht geschehen sein …
Meint noch wer, sich über Verhältnisse in Russland auslassen zu müssen.

Der EUR kostet 1,21 USD. Kein Grund zur Sorge?

Bald kann ich meinen 11. Jahrestag der Abreise aus Deutschland begehen. Nicht vorstellen konnte ich mir damals, wie weit der Abstand werden kann.

Elitär

Mit Elitär, elitnyi, wird in Russland alles betitelt, was teuer ist und dem höheren Geschmack zu entsprechen scheint. Es gibt elitäre Lebensmittel, Baumaterialien, Bekleidung, usw., und es gibt auch Immobilien.

Das gesamte Moskauer Stadtzentrum ist elitär. Die Meinungen, wo das Zentrum endet, gehen weit auseinander. Ganz Konservative meinen, der Boulevard- Ring wäre die Grenze für das Zentrum. Der nächste Sektor wird durch den Gartenring begrenzt. Dann gibt es den neuen 3. Transportring, der allerdings meist etwas ausserhalb der Ringlinie der Metro verläuft.

Der Zustand Moskauer Häuser ist meist einen zweiten Blick wert.

… sehr elitäre Wohngegend mit extremen Preisen, westlich der Tverskaya, im Bereich des Mosfilm- Hauses und der Slowakischen Botschaft
Der Balkon ist in der obersten Etage. Weshalb ist dort eine Vollvergitterung? Richtig, die bösen Buben könnten sich abseilen.

… am 3. Ring, zwischen Metro Begovaya und Leningradskoye Ch.
Sehr stark befahren, deshalb rund um die Uhr sehr laut, trotzdem sind auch hier die Preise exorbitant. Was der Markt gerade zu bieten hatte oder was eben übrig war, wurde zur Balkonverglasung verwendet.

Das sind elitäre Häuser in Moskau.

 

 

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Eine Woche Moskau

Brütendheiss ist es in der Stadt, das Büro hat zum Glück Klima und ich bin immer der Erste am Morgen, um abends etwas früher gehen zu können.

… der Cowboy vorn ist über die doppelte Linie gefahren, hat den Stau überholt, bedrängt einen von der Nebenstrasse kommenden Wagen und drängelt sich weiter vorn in die Schlange rein, da ein Linienbus entgegen kommt. Manchmal ist es richtig, dass auf solche Verstösse FS- Entzug steht in Moskau- wenn die Tellermütze hinsehen will…

… ich liebe diesen Platz am Belorusski Vokzal. Irgendwann wird die Baustelle auch mal beendet sein. Obwohl- sie läuft schon seit 6 Jahren. Vielleicht ist es auch so geplant, um die Dynamik der Stadt zu betonen …

… Frunzenskoye Naberezhnye, inzwischen ein Baumarkt, früher mal irgendeine Ausstellungshalle- schöner SozBarock

… allzugern wird über die Improvisationskunst der ehemaligen Ostbürger gefachsimpelt, nostalgisch geschwärmt, wehmütig zurück gedacht. In einem 12geschossigen Plattenbau in Marushkino, unweit von Vnukovo-3, fand ich heute diesen schönen Elektrokasten. Gleich im Eingangsbereich, gegenüber dem Lift, hatte der clevere Elektriker das Problem mit dem Aufbrechen mittels zweier Blechschrauben gelöst. Man muss sich nur zu helfen wissen- auch wenn die Improvisation so zur Dauerlösung wird.

Zwei Tage Schweiz

Am Dienstagmittag mache ich mich auf den Weg nach DME. Der Passkontrolleur hat gute Laune und bespricht jedes Details meines Reisepasses. Der Sicherheitscheck läuft wie immer, nur mit einem Unterschied. Das Passieren des Ganzkörperscanners kann abgelehnt werden. Da ich zu häufig fliege, mache ich das auch. Dieses Mal versucht der Checker, mir einzureden, dass sein Gerät gar keine Strahlung verwendet. Wie sonst kann er alles, a l l e s, sehen? Überstanden, er nimmt seinen Metalldetektor und fährt an mir herum.

… Termine, Meetings, Besprechungen- und am Abend einen Schwatz mit guten Kollegen. Wärme und hohe Luftfeuchtigkeit lassen die Kleidung schnell am Körper kleben. Das Leben spielt sich auf den Strassen ab, bis in den späten Abend sind die Stühle draussen.

Bei Denner gibt es ein paar Packungen Kaffeekapseln, in der Migros kaufe ich Frischfleisch, danach geht es am Donnerstag zum Flughafen zum bekannten Flug, 20:50 ab ZRH. Er verzögert sich um mehr als eine Stunde, da die Crew- Planung daneben gegangen ist. Betriebliche Gründe heisst das. Die Lounge schliesst bereits um 20:30. Trotzdem alle Passagiere nach Moskau fliegen, erinnert die Dame eindringlich um 20:20 an die baldige Schliessung. Meine höfliche Frage, ob sie nicht wegen der angesagten Verspätung noch eine halbe Stunde länger öffnen dürfe, lehnt sie mit dem Hinweis auf ihren Chef und die Alternative in Sektor A, am anderen Flughafenende, ab. Nicht sehr nett.
In Folge des späten Starts landen wir erst um 03:40 Ortszeit in DME. Kurz vor 5 bin ich daheim, um 9 Uhr geht es ins Büro.

Kategorien:Airlines, Harinezumi, Schweiz

Ashgabat

3 Tage Moskau, ab geht es wieder: Vnukovo- Istanbul- Ashgabat. Der Wechsel einiger Flüge nach VKO ist die unangenehmste Variante für Moskau:
Sheremetyevo, SVO, liegt zwar an der Leningradskoye, aber immer noch am zentrumsnächsten.
Domodedovo, DME, hat sich sehr gut entwickelt, der Verkehr ist erträglicher, wenn man erstmal den MKAD hinter sich hat.
Vnukovo, VKO, liegt am verlängerten Leninksiy Prospekt, damit gefährdet durch VIP- Verkehr und dichte Staus.

Meine Anreise gestaltete sich auch so. Bis zum MKAD extrem zäh, danach schneller. Der Flughafen ist eine langdauernde Baustelle und bietet jedes Mal neue Überraschungen beim Parken.

Freitag- bis Montagmorgen bin ich in Turkmenistans Hauptstadt. Der Sommer ist da, unter 36 Grad scheint es schon gar nicht mehr zu werden.

… Denkmal und Park zu Ehren des im Krieg gefallenen Vaters der ersten Präsidenten Turkmenistans

… im Zentrum der Stadt

Am Montag nachmittag bin ich wieder in Moskau.