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Archive for April 2012

Pisa, Lucca

Montag, 30. April, halb Norditalien und die dreifache Menge an Touris scheinen auf den Beinen wegen des Brückentages zum bevorstehenden 1. Mai.

Auf nach Pisa.
Parkplatz ist schnell gefunden, afrikanische Strassenhändler erfolgreich abgewimmelt und schon sind wir da.

Wirklich sehr schief.
Das immer wieder kehrende Fotomotiv ist das Spiel mit der zweidimensionalen Wirklickeit- wie hindere ich den Turm am Kippen?

Auch daneben gibt es Einiges zu sehen.

Der Regen beginnt und treibt uns zum Auto.

In Lucca regnet es noch immer. Wir parken das Auto an der Aussenseite der Stadtmauer für ganze Zehn Cent pro Stunde und beschliessen, dass Altstadtgassen bei Nieselregen nur einen Sinn machen können- sie führen zur Pasta- und- Pizza- Pause.

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Chianti und mehr

Am Freitag nachmittag Flug nach Berlin, das Auto ist seit Oktober vorbestellt (17 Tage rund 550 EUR), alles klappt, 15:30 Ankunft, 16:00 im Auto. Mit dem Passat gehts sofort los, durch den Stau auf der Berliner Stadtautobahn, ein kurzer Stopp in Dresden und weiter bis kurz vor Regensburg. Ein Nacht in Dietfurt im Altmühltal, sauber, gepflegt, ordentlich- und weiter. Am Samstagabend kommen wir an nach insgesamt 1421 km in Vinci. Urlaub, eine Woche Toskana.

Was mir auffällt während dieses Ritts von Berlin bis Vinci:
– In einer Zeit, in der grosse Teile der Weltbevölkerung sich auf die ungebremste Motorisierung vorbereiten, hat der staatliche Wille und die extreme Oientierung der Deutschen auf Feinstaub, Atom- und andere Urängste es geschafft, sich für die frühere Ausbeutung der Dritten Welt zu bestrafen. Oder wie anders kann ich es interpretieren, dass ich schon froh sein muss, im Altmühltal für EUR 1,52 einen Liter Diesel zu bekommen? In Italien sind gar EUR 1,79 fällig. Zum Ausgleich sehe ich in Italien Great Wall und Tata, chinesische und indische Pickups und SUV.  Ist es möglich, dass die Europäer sich ihrer Mobilität freiwillig berauben? Was sind Hunderte Millionen potentieller Fahrzeugbenutzer in China und Indien gegen die gesamte EU? Wer errrichtet den Zaun gegen denEinfluss der Millionen Mopeds und Uraltautos auf das Weltklima?
– Ich liebe diese Nachlässigkeit anderer Völker, wenn es um ihre Häuser geht. Scheinbar nur in Deutschland muss alles superperfekt, sauber, rechtwinklig und glatt sein. Entlang der Autostrade sehe ich jedoch viele Investruinen, verlassene Produktionsstätten und Höfe, die mich eher an Nord- West- Böhmen erinnern.
– Eine ganz banale Angelegenheit: Weshalb müssen in Deutschland verzinkte Leitplanken gesetzt werden, wenn in Italien einfache, rostende Profile reichen? Hat das noch keine EU- Regelung angeglichen? Oder haben die Italiener bgriffen, dass die Lebensdauer dieser Planken ohnehin begrenzt ist und der Ersatz wegen Verbeulung vor dem Ersatz wegen Durchrostung kommt?

Was aber immer bleibt, ist die wundervolle Landschaft der Toskana, diese leicht gewellte Landschaft, die alten Städte – und der Wein.

Kategorien:Auto, Reise, Verkehr Schlagwörter: , ,

extrem

2012/04/27 1 Kommentar

… nein, nichts über irgendeine Szene, nichts über die gleichnamigen russischen Expeditions- und Outdoor- Ausstatter, nur ganz allgemein über Moskau:

Vor 10 Tagen reiste ich nach Baku. Unter mir war noch alles weiss, es war kalt in Moskau, wir hatten Verspätung.
Als ich zurück kam, ist die Erde grün.
Die Menschen auf der Strasse tragen kurz. Der Moskauer Turbofrühling ist da. Innerhalb von 3- 4 Wochen ändert sich das Bild schlagartig, der Übergang zwischen Winter und Sommer ist so abrupt wie die Winter kalt und die Sommer heiss sein können.

… Anflug auf DME

… Sonnenschirm, wo gestern noch schmutziger Schnee lag

.

… zaghaft

… selbsterklärend

… Boulevard- Ring, aus der Autofahrersicht

… ein Superstau beginnt

… der bis weit nach 24 Uhr dauern wird, auch extrem:

Die Demo für den 1. Mai (oder ist es der 9. Mai?) wird geprobt. Die gesamte Tverskaya wird gesperrt für den Feierabendverkehr. Tausende Autos, deren Fahrer aufgrund der strahlenförmigen Stadtplanung die Strasse komplett oder teilweise benutzen müssen, bleiben stehen. Stundenlang. Keine Umfahrung, keine Regelung ist eingerichtet, noch nicht einmal ordentliche Warnungen. Kommunale LKW wurde quer gestellt, um die Zufahrt auf diese Hauptverkehrsstrasse zu verhindern. Blaulichtfahrzeuge der Notambulanz, Polizei, VIPs drängeln sich irgendwie durch, kehren um oder fahren im Rückwärtsgang neue Sackgassen zurück.
Ich stehe eine Stunde unweit des Wohnhauses, immer hoffend, dass die Sperrung gleich, in ein paar Sekunden aufgehoben wird. Strömender Regen verschlimmert das Ganze. Nach 9 fahre ich irgendwie, finde einen Parkplatz und gehe zu Fuss heim. Vom Fenster sehe ich später eine Lücke, beeile mich, parke das Auto nahe der Wohnung. Unerklärlich, wie das geschehen konnte, denn wenig später stehen die Autos wieder zweispurig still.
Alles für eine Demo.

Kategorien:Jahreszeiten, Moskau, Verkehr

Ashgabat

Eine Woche in Ashgabat, drei Tage sind noch verblieben. Ich habe viel zu arbeiten, trotzdem bleibt Zeit, alte Freunde wieder zu sehen.

Heute morgen gegen Fünf weckt mich der Muezzin. Erst dachte ich, die Disko würde noch ihre bummernden Rhythmen streuen. Dann hörte ich genauer hin und ging zum Balkon. Die Stadt liegt still, die weissen Marmorfassaden widerspiegeln das Licht, die Kuppeln leuchten. Am Horizont ahne ich die Berge des Kopet Dag- Gebirges. Der Muezzin ruft zum Gebet. Und mir kommt das immer wiederkehrende Thema in den Sinn, von dem hier wirklich jeder spricht: der drohende Krieg im Nachbarland.

Der Iran ist so nah wie kein anderes Land. Im Iran, wie in Afghanistan auch, haben viele Turkmenen nach 1917 eine neue Heimat gefunden. Die wirtschaftlichen Beziehungen sind lebendig.
Natürlich, hier Sunniten, da Schiiten, das ist ein nicht geringer Unterschied. Aber sie sind Moslems, Nachbarn, Geschäftspartner, Menschen.

Überall, bei jeder Taxifahrt, in jedem Gespräch mit Freunden, Bekannten und Geschäftspartnern ist die Frage nach dem „Was wird, wenn …“ irgendwann da. Religiöse Eiferer sind auf beiden Seiten unterwegs, der moslemischen wie der christlichen. Die Hoffnung, mit dem Heiligen Krieg  die Entscheidung zu erzwingen, welcher Prophet der Bessere ist und wer im ewigen Fegefeuer und wer im Paradies landen wird, ist in beiden Glaubensrichtungen zu Hause. Das erste Mal hörte ich, ausschliesslicher Weihnachts- Gottesdienst- Besucher, davon nicht hier, sondern in USA vor vielen Jahren.

Gibt es niemanden, der Einhalt gebieten kann in diesem Irrsinn? Ist der Erhalt einfachen menschlichen Glücks, in Frieden zu leben, nicht höher als jede Religion? 
Der Iran unterscheidet sich nur durch einen Buchstaben vom Irak. Die Aggressivität, Gefährlichkeit, die Verschlagenheit und Falschheit der Ayatollahs und ihrer weltlichen Exekutive ist fürchterlich und nur durch Verhandlungen und eindeutige Positionen zu stoppen. Die Tür wird den Befreiern des Irans jedoch keiner öffnen, die Antwort wird verbittert sein und schlimmste Konsequenzen für eine Reihe anderer Länder haben.
Das Selbstverteidungsrecht Israels steht ausser Frage. Wer fordert, Israel von der Landkarte, aus der Geschichte zu streichen, hat sich als Staatsmann ins Abseits gebracht und sein eigenes Staatswesen in Frage gestellt. Wann jedoch kippt diese Balance zwischen Beiden, wie lange sind Verhandlungen möglich?
Im Endergebnis bleibt es völlig gleich, ob es sich um einen Präventivschlag gegen den Iran oder um einen Angriff auf Israel als Kriegsbeginn handeln wird.

Ich kann meinen unterbrochenen Schlaf fortsetzen.

Am Frühstücksbuffet treffe ich iranische Touristen, wie immer. Künftige Flüchtlinge, Opfer der Ayatollahs?

… wie aktuell ist Udo Lindenbergs Song aus dem Jahr 1981, 31 Jahre ist das her (!), als er mit Pascal Kravetz sang:

Wozu sind Kriege da?

Keiner will sterben das ist doch klar!
Wozu sind denn dann Kriege da?
Herr Präsident du bist doch einer von diesen Herrn!
Du musst das doch wissen!
Kannst du mir das mal erklären?
Keine Mutter will ihre Kinder verlieren
Und keine Frau ihren Mann
Also, warum müssen Soldaten losmarschieren?
Um Menschen zu ermorden?
Mach mir das mal klar!
Wozu sind Kriege da?

Herr Präsident, ich bin jetzt zehn Jahre alt
Und ich fürchte mich in diesem Atomraketenwald
Sag mir die Wahrheit!
Sag mir das jetzt!
Wofür wird mein Leben aufs Spiel gesetzt?
Und das Leben all der andern?
Sag mir mal warum!
Sie laden die Gewehre und bringen sich gegenseitig um
Sie stehen sich gegenüber und könnten Freunde sein
Doch bevor sie sich kennenlernen schießen sie sich tot!
Ich find das so bekloppt!
Warum muss das so sein?

Hat man all die Milliarden Menschen überall auf der Welt
Gefragt, ob sie das so wollen?
Oder geht?s da auch um Geld?
Viel Geld für die wenigen Bonzen, die Panzer und Raketen bauen
Und dann Gold und Brillanten kaufen für ihre eleganten Frauen!
Oder geht’s da nebenbei auch um so religiösen Zwist
Dass man sich nicht einig wird welcher Gott nun der wahre ist
Oder was gibt’s da noch für Gründe
Die ich genau so bescheuert find
Na ja, vielleicht kann ich noch nicht verstehen
Wozu Kriege nötig sind
Ich bin wohl noch zu klein!
Ich bin ja noch ein Kind!

Quelle: MLDb

Kategorien:Turkmenistan Schlagwörter: ,

Gelesen: RBKdaily 2012-04-13 und Die Welt 2012-04-14

Lange Flüge sind bekanntlich gut zum Schlafen und Lesen. Was mir jüngst wieder auffiel:

RBK Daily, 2012-04-13 „Einträgliches Weisses Haus, Die Regierungsmitglieder verdienten im vergangenen Jahr mehr als die Kremlangestellten“ HIER
Die Ehefrauen verdienten nicht schlecht, wie z.B. u.a.
– die Gattin des ersten Vizepremier Igor Shuvalov, Olga Shuvalova: rd. 9.1 Mio EUR
– die Gattin des Chefs des Katastrophenschutzministeriums Sergey Shoigu, Irina Shoigu: rd. 1,9 Mio EUR
Und das besitzen sie u.a.
– eine Wohnung in Monaco (Gattin des Bevollmächtigten zum Schutz der Rechte der Kinder, Pavel Astakhov)
Zu den interessantesten Besitztümern zählen z.B.
– ein Zaun von 156 m Länge, gemietet durch den Minister für Naturschutz; Juri Trutnev
Daneben nehmen sich Vladimir Putin mit Gattin bescheiden aus. Bei einem Jahreseinkommen von rd. 4 Mio RUB (rd. 100 TEUR) besitzen sie, passend, ein Baugrundstück, eine Wohnung, eine Garage, eine Wohnung und eine Garage zur unentgeldlichen Nutzung, Fahrzeuge GAZ M-21, M-21P, Niva, Autoanhänger. Präsident Medvedev und Gattin haben’s ein wenig komfortabler mit rd.  90 TEUR Jahreseinkommen, aber einer Wohnung mit 367 qm, einem gemieteten Grundstück von 4700 qm, Fahrzeugen vom Typ GAZ-20 Pobeda, Bj. 1948, GAZ-21, Bj. 1962, VW Golf, Bj. 1999, zwei Stellplätzen von 32,5 qm.
Weitaus geschäftstüchtiger scheinen ihre Mitarbeiter zu sein, allen voran der erste Stellvertreter des Regierungschefs, Alexander Khloponin, und seine Gattin Natalya. Sie deklarierten rd. 12,3 Mio EUR Einkommen, 17 Wohnbaugrundstücke, 6 Erholungsgrundstücke, 2 Wohnhäuser, Wohnung, Pool, ein Bürogebäude, Fahrzeuge vom Typ Bentley Arnage, Jaguar Daimler, MB CL65AMG, Autoanhänger, Motorrad HD FLSTF, Boot.

Die Welt, Seite 7, 2012-04-14 „Schwester Maria und die geraubten Kinder“
Es geht um bis zu 300.000 Kinder, die seit dem Bürgerkrieg und der Franco- Diktatur bis „… in die 90er Jahre…“ ihren „… republikanischen…“ Müttern nach der Geburt gestohlen wurden. „… Nach dem Ende der Diktatur bis in die 90er Jahre wurde die Praxis beibehalten und zum lukrativen Geschäft für Ärzte, Hebammen und Beamte…“
Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen: Spanien, EU- Mitglied, in den Neunziger Jahren!!! Vielleicht hat die Nachricht es auch deshalb nicht in die online- Ausgabe geschaft …

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Baku, Azerbaijan

2012/04/17 3 Kommentare

Am Sonntag fliege ich nach Baku. Ein wenig unausgeschlafen nach einem Tag auf Achse quer durch und 2 Nächten in Moskau zwar, aber wozu ist Fliegen sonst gut ausser
– Lesen,
– Schlafen,
– Entfernungen schnell zu überbrücken? 

Ankunft in Baku: An der Passkontrolle werde ich gefragt, ob ich gleich bis zur Eurovision bleibe. Häh? Ich und Schlager? Nein, nein, Business, vermelde ich pflichtbewusst.
Auf dem Weg zum Hotel sehe ich überall Billboards mit Eurovision 2012 „Light your fire“. Und ausserdem, dass die Stadt offenbar in den rund 1 1/2 Jahren, in denen ich nicht hier war, pausenlos weitergebaut wurde.

Im Hotel (Kempinski, 5 Sterne, 130 EUR pro Nacht!!!) treffen nach mir eine grosse, riesige Gruppe von Deutschen ein. Alles Freelancer, angeheuert für die Montage der Technik für die Show. Während des Gutenacht- Biers lerne ich ein paar Leute kennen, die mir von ihrem Monteursleben erzählen. Im laufe der folgenden Stunden treffen immer mehr Techniker ein. Ich höre, dass 800 Deutsche bis Ende Mai hier sein werden, damit Eurovision 2012 ein Erfolg wird.

Am Morgen beginnen die Gespräche mit Kunden und jenen, die es werden wollen. Eurovision 2012 ist das zentrale Thema. Das Land muss offenbar alle freien Mittel, die die Ölnation zu bieten hat, für diese eine Schlagernacht mobilisiert haben.

Am Abend spazieren wir durch die Altstadt, sehen die Silhouette der Flame Towers, haben ein gutes Shashlyk in der Karavansaray bei Seidenstrassenmusik. Der Tag ist rund.

Und am Dienstag setzten sich die Gespräche fort- bis ich am Abend wieder auf einem Flughafen bin, komplett im Bau.
Wohin? Ashgabat.

Ein paar Bilder

… Dönerstand

… Azerbaijanisch? Türkisch? Arabisch? Seidenstrasse.

Übrig bleibt dieses Mal der Eindruck, dass ein schlichter Schlagerabend (oder ist Eurovision etwas anderes?) für eine Nation am Kaspischen Meer schon beinahe den Aufregungsgrad Olympischer Spiele bietet.

Kategorien:Azerbaijan, Baku Schlagwörter:

Rostov

Morgenflug nach Rostov. Geplanter Abflug um 0830. Endlich um 1125 gehts los.
Die Ursache wird landestypisch nicht verraten. Der für Rostov in dieser Jahreszeit übliche Nebel war jedenfalls nicht schuld. So richtig vertrauen kann ich Don Avia auch nicht, obwohl sie heute unter Code Sharing mit Aeroflot segelt.
Egal, wir sind angekommen.

Auf dem Weg zum Kunden ein Blick aus dem Autofenster

Am nächsten Morgen der Hotelfensterblick.
Es gäbe was zu investieren. Das Haus mit dem Gang zwischen den beiden Hofgebäuden hat was.

Auf dem Weg zum Flughafen fahren wir an reihenweise Ausflugsrestaurants verschiedener Kategorien am Don- Ufer vorbei. Die Angler stehen in Reihe und sind, wie der Fahrer sagt, auch sehr erfolgreich.

Der Flughafen von Rostov heisst noch entsprechend seiner Rolle und Ausstattung: Aerovokzal, Luftbahnhof. Da ist Fliegen noch auf die Überbrückung von Distanzen reduziert, keine Lounges, keine Shopping Malls, nichts.

Bis zur Fussball- WM 2018 wird auch er ersetzt durch ein neues Terminal.  Immerhin wird Rostov heute schon von Lufthansa und Austrian angeflogen.

Am Freitagabend daheim, am Samstag wieder packen, am Sonntag morgen geht es zum Flughafen Vnukovo VKO. LH fliegt neuerdings auch ab/ bis VKO. Eine schlechte Wahl gegenüber DME und SVO, da die Chaussee zwischen Moskau und Flughafen gerne gesperrt wird wegen VIP- Transport.

 

Kategorien:Airlines, Hotelfensterblick Schlagwörter: